Die Turner-Tagebücher

Kapitel 5


3. Oktober 1991: Ich habe meine Arbeit am FBI-Projekt durch einige handwerkliche Tätigkeiten ums Haus herum unterbrochen. Gestern Abend beendete ich die Arbeit am äußeren Alarmsystem und heute habe ich einige grobe und sehr schmutzige Arbeiten in unserem Notausgangstunnel verrichtet.

Entlang den Seiten und hinten am Gebäude grub ich eine Reihe von druckempfindlichen Platten ein, die nach innen mit einer Lampe und einem Summer elektrisch verbunden sind. Die Platten sind solche, wie sie sich unter Fußmatten an den Türen innerhalb der Verkaufsläden befinden, um einen Kunden anzukündigen. Sie bestehen aus zwei Fuß langen Metallstreifen, die in einer biegsamen Kunststoffplatte eingeschweißt und wasserdicht sind. Sie sind nicht zu entdecken, da sie mit etwas Erde bedeckt sind, aber sie werden uns ein Signal geben, sobald jemand darauf tritt.

Diese Methode konnten wir vorne am Gebäude nicht anwenden, da dort fast der ganze Erdboden mit einer Betoneinfahrt und Parkplatz bedeckt ist. Nachdem ich für die Vorderseite einen Ultraschallsensor in Betracht zog und wieder verwarf, entschied ich mich für einen photoelektrischen Strahl zwischen zwei Eisenpfosten des Zauns, die sich auf beiden Seiten der betonierten Fläche befinden.

Damit man die Lichtquelle und die Fotozelle nicht bemerken kann, war es notwendig, sie innen an einem Eisenpfosten und einen sehr kleinen unauffälligen Reflektor im gegenüberliegenden Pfosten anzubringen. Ich mußte mehrere Löcher in den einen Pfosten bohren und eine ganze Menge Bastelei war notwendig, um alles richtig zum funktionieren zu bringen.

Katherine war eine große Hilfe bei der Justierung des Reflektors, während ich den Lichtstrahl und die Fotozelle ausrichtete. Es war auch ihr Vorschlag, auf den hin ich das Alarmsystem innerhalb des Gebäudes insofern änderte, daß es uns nicht nur warnt, wenn augenblicklich ein Eindringling auf eine druckempfindliche Platte steigt oder den Lichtstrahl unterbricht, sondern auch eine elektrische Uhr in der Garage einschaltet. Auf diese Weise werden wir wissen, ob jemand, während wir alle abwesend waren, ins Gebäude gekommen ist und wann.

Beim Ausräumen einer schmutzigen Ansammlung von leeren Öldosen, schmierigen Lappen und verschiedenerlei Abfall aus der Servicegrube in der Garage, die zum Ölwechsel und zu Arbeiten unter den Fahrzeugen benutzt wurde, entdeckten wir, daß die Grube direkt in einen Abwasserkanal durch ein Eisengitter im Betonboden führt.

Beim Aufbrechen des Eisengitters fanden wir heraus, daß es möglich ist in den Abwasserkanal zu kriechen, einer Betonröhre mit einem Durchmesser von 1,2 Meter. Das Rohr verläuft etwa 400 Meter zu einem großen offenen Abwasserkanal. Über diese Länge verteilt sind ungefähr ein Dutzend kleinere Rohre, die in das Hauptrohr münden, offenbar von Straßengullys. Das offene Ende des Abwasserkanals ist gesichert durch ein Eisengitter aus 1/2 Zoll dicken Eisenstäben, die in den Beton eingelassen sind.

Heute nahm ich eine Eisensäge und huschte hinunter zum Ende des Kanals und sägte alle Eisenstäbe bis auf zwei durch. Dadurch blieb das Eisengitter noch fest in seiner Position, macht es einem aber trotzdem möglich, mit einiger Anstrengung es soweit zur Seite zu biegen, daß man hinauskriechen kann.

Dabei schaute ich mir die Umgebung kurz an. Die Seite am Graben ist stark verwachsen, was für gute Deckung gegen die nahegelegene Straße sorgt. Und von der Straße aus ist es wegen dazwischenliegender Bauten nicht möglich, unser Gebäude zu sehen oder einen Teil der Straße, an das es angrenzt. Als ich den Kanal zurückgestiegen war, bog ich das Gitter unter ächzen und stöhnen wieder an seine Stelle zurück.

Die Leute, welche die Garage und die Maschinenhalle betrieben, bevor wir einzogen, müssen leider ihr ganzes Altöl für Jahre in den Abwasserkanal gekippt haben, weil entlang des Bodens vom Abwasserrohr in der Nähe der Öffnung zur Servicegrube eine 4 Zoll dicke, schwarze Schlammschicht lag. Als ich wieder in die Halle hinauskroch, war ich mit dem Zeug von oben bis unten bedeckt.

Henry und George waren beide außer Haus, und Katherine zwang mich dazu, mich auszuziehen und spritzte mich in der Servicegrube ab, bevor sie mir erlaubte, nach oben zu gehen um mich zu duschen. Sie betrachtete die Schuhe und Kleider, die ich getragen hatte als nicht mehr gebrauchsfähig und warf sie weg.

Jedesmal wenn ich unter die eiskalte Dusche gehe, bedaure ich bitterlich, daß Henry und ich uns nicht Zeit genommen hatten, um auch heißes Wasser in unser Dusch Provisorium zu installieren.

6. Oktober: Heute habe ich den Zündungsmechanismus für die Bombe, die wir gegen das FBI einsetzen werden, fertiggestellt. Den Auslösemechanismus herzustellen war ziemlich leicht, aber ich wurde bis gestern wegen des Treibers aufgehalten, weil ich nicht wußte, welchen Sprengstoff wir verwenden würden.

Die Leute von Einheit 8 hatten geplant, einen Lagerschuppen in einem der Gebiete Washingtons auszurauben, in denen das U-Bahn-Netz erweitert wird, aber sie hatten bis gestern wenig Glück gehabt. Es gelang ihnen nur, zwei Kisten mit Sprenggelatine zu stehlen, wobei eine Kiste noch nicht einmal voll war. Weniger als 100 Pfund.

Aber das hat zumindest mein Problem gelöst. Die Sprenggelatine ist empfindlich genug, um sie durch eine meiner selbstgebastelten Sprengkapseln zünden zu können, wobei die 100 Pfund mehr als ausreichend sind, um die Hauptladung zur Explosion zu bringen, wenn Einheit 8 noch mehr Sprengstoff liefert, gleichgültig welcher Sorte und wie er gepackt ist.

Ich packte ungefähr 4 Pfund Sprenggelatine in einen leeren Apfelmuskanister, machte sie scharf, legte die Batterien und die Schaltuhr oben in den Kanister und verband das Ganze mit einem kleinen Kippschalter am Ende einer 20 Fuß langen Verlängerungsschnur. Wenn wir den Lastwagen mit Sprengstoff beladen, wird der Kanister hinten auf die zwei Kisten mit Sprenggelatine gelegt. Wir werden kleine Löcher in die Wand vom Anhänger und Führerhaus bohren müssen, um die Verlängerungsschnur und den Schalter bis in das Führerhaus zu verlegen.

Entweder George oder Henry -- wahrscheinlich Henry -- wird den Lastwagen an die Warenannahme im FBI Gebäude fahren. Bevor er aus dem Führerhaus steigt, wird er den Schalter anknipsen und die Schaltuhr beginnt zu laufen. Zehn Minuten später wird die Sprengstoffladung hochgehen. Wenn wir Glück haben, ist das das Ende für das FBI Gebäude -- und den neuen 3 Milliarden Dollar Computer Komplex für das interne Kennkartensystem der Regierung.

Vor sechs oder sieben Jahren, als sie erstmals anfingen, "Versuchsballone" loszulassen, um zu sehen, wie die Öffentlichkeit auf das neue Kennkartensystem reagieren würde, wurde gesagt, daß der Hauptzweck darin läge, illegale Fremde ausfindig zu machen, um sie ausweisen zu können.

Obwohl einige Bürger dem ganzen Plan ziemlich mißtrauisch gegenüberstanden, haben die meisten die Erläuterungen der Regierung, warum die Kennkarten nötig wären, geschluckt. Viele Gewerkschaftsmitglieder betrachteten das als eine gute Idee, weil sie die illegalen Fremden während dieser Zeit hoher Arbeitslosigkeit als eine Bedrohung für ihre Arbeitsplätze ansahen, während die Liberalen im allgemeinen dagegen opponierten, weil es sich "rassistisch" anhörte -- nachdem so gut wie alle illegalen Fremden Nichtweiße sind. Später, als die Regierung jedem, der es fertigbrachte, über die mexikanische Grenze zu schleichen und sich zwei Jahre im Land aufzuhalten, automatisch die Staatsbürgerschaft einräumte, verflog die liberale Opposition, außer bei einem harten Kern von "Liberalen", die immer noch mißtrauisch waren.

Insgesamt ist es für das System betrüblich leicht, die amerikanischen Menschen zu täuschen und zu manipulieren, ob es nun die verhältnismäßig naiven "Konservativen" oder die instinktlosen pseudogebildeten "Liberalen" sind. Sogar die Liberalen, die von Natur aus jeder Regierung feindlich gesinnt sind, lassen sich so weit einschüchtern, daß sie mitziehen, wenn der "Große Bruder" bekanntgibt, daß das neue Kennkartensystem notwendig ist, um den "Rassisten" -- nämlich uns -- habhaft zu werden und sie auszuschalten.

Wenn die Freiheit der amerikanischen Menschen das einzige wäre, was auf dem Spiel stände, wäre die Existenz der Organisation kaum gerechtfertigt. Die Amerikaner haben ihr Recht auf Freiheit verloren. Sklaverei ist der gerechte und gebührende Zustand für ein Volk, daß so weich geworden, sich so gehen läßt, gedankenlos, leichtgläubig und konfus geworden ist, wie wir es sind.

In der Tat sind wir bereits Sklaven. Wir haben es einer teuflischen, raffinierten, fremdländischen Minorität gestattet, unsere Seelen und unser Denken in Ketten zu legen. Diese geistigen Ketten sind ein charakteristischeres Zeichen für Sklaverei, als die eisernen Ketten, die noch kommen werden.

Warum haben wir vor 35 Jahren nicht rebelliert, als sie uns tatsächlich unsere Schulen wegnahmen und anfingen, sie in einen rassisch vermischten Dschungel zu verwandeln? Warum haben wir sie nicht alle vor fünfzig Jahren aus dem Land geworfen, anstatt ihnen zu erlauben, uns in ihrem Krieg zur Unterjochung Europas als Kanonenfutter zu benutzen?

Schwerwiegender noch: warum sind wir vor drei Jahren nicht auf die Barrikaden gegangen, als sie begannen, uns unsere Schußwaffen wegzunehmen? Warum sind wir damals nicht mit moralisch gerechtfertigter Wut aufgestanden und haben diese arroganten Fremden in die Straßen geschleppt und ihnen ihre Hälse durchgeschnitten? Warum haben wir sie nicht an jeder Straßenecke in Amerika auf Freudenfeuern geröstet? Warum haben wir diesem widerlichen, ewig übermäßig anmaßenden Clan, dieser Pestilenz aus den Abwasserkanälen des Ostens nicht ein endgültiges Ende bereitet, anstatt demütig unsere Entwaffnung zuzulassen?

Die Antwort darauf ist leicht. Wir würden rebelliert haben, wenn man versucht hätte, alles das, was man uns in 50 Jahren auferlegt hat, auf einmal zu tun. Aber nachdem die Ketten, mit denen wir nun gefesselt sind, kaum wahrnehmbar Glied nach Glied geschmiedet wurden, haben wir sie uns anlegen lassen.

Das Hinzufügen eines einzelnen neuen Gliedes zur Kette genügte nie, um uns darüber groß aufzuregen. Es schien immer leichter und sicherer, alles einfach laufen zu lassen. Und je weiter wir abrutschten, desto einfacher war es, wieder einen Schritt weiterzugehen.

Sollten einige Menschen unserer Rasse überleben, um die Geschichte dieses Zeitalters schreiben zu können, wird es für diese zukünftigen Historiker bezüglich des Verfalls, der uns aus einer Gesellschaft freier Menschen in eine Herde menschlichen Stimmviehs verwandelt hat, eine wichtige Aufgabe sein, zu untersuchen, welchen verhältnismäßigen Anteil dabei planmäßige Lenkung und ungewollte Entwicklung gehabt haben.

Das heißt, können wir für das, was mit uns geschehen ist, zu Recht ausschließlich die vorsätzlich herbeigeführte Unterwühlung verantwortlich machen, die durch die heimtückische Propaganda der gelenkten Massenmedien, der Schulen, der Kirchen und der Regierung betrieben wird, oder müssen wir ein groß Teil Schuld der schicksalsmäßigen Dekadenz zuschieben, d.h. den Geist schwächenden Lebensstil, dem sich die westlichen Völker im 20. Jahrhundert hingegeben haben.

Wahrscheinlich sind die beiden Dinge miteinander verflochten und es ist schwierig zu erkennen, welche Ursachen man im besonderen Fall verantwortlich machen kann. Gehirnwäsche hat Dekadenz für uns annehmbarer erscheinen lassen, und Dekadenz hat uns weniger widerstandsfähig gegen Gehirnwäsche gemacht. Auf jeden Fall sind wir jetzt schon zu nahe an den Bäumen, um die Umrisse des Waldes noch klar erkennen zu können.

Aber eine Sache ist ganz sicher, daß mehr als nur unsere Freiheit auf dem Spiel steht. Wenn die Organisation jetzt in ihrer Aufgabe scheitert, wird alles verloren sein -- unsere Geschichte, unser Erbe, nutzlos all das vergossene Blut und die Opfer und das Streben nach Höherem während unzähliger Jahrtausende. Der Feind, den wir bekämpfen, beabsichtigt, ganz und gar die rassische Grundlage unserer Existenz zu zerstören.

Keine Entschuldigung für unser Scheitern wird irgendwelche Bedeutung haben, weil das nur eine wimmelnde Horde belangloser Mulattenzombies zu hören bekäme. Es wird dann keine weißen Menschen mehr geben, die sich über uns Gedanken machen, weder um uns ob unserer Schwäche zu beschuldigen, noch um uns, ob unserer Torheit zu vergeben.

Wenn wir scheitern, wird Gottes großartigster Versuch gescheitert sein, und dieser Planet wird sich wieder, wie schon vor Millionen Jahren ohne höhere Wesen durch den Äther bewegen.

11. Oktober: Endlich, morgen ist es soweit! Trotz des Mißerfolges von Einheit 8, soviel Sprengstoff zu besorgen, wie wir an sich haben wollten, werden wir mit der FBI-Operation beginnen.

Die endgültige Entscheidung darüber wurde heute am späten Nachmittag im Hauptquartier von Einheit 8 getroffen. Henry und ich waren zusammen da, sowie ein Stabsoffizier vom Revolutionskommando, ein Zeichen dafür, welche Wichtigkeit die Führung der Organisation dieser Operation beimißt.

Gewöhnlich schalten sich Angehörige des Revolutionskommandos nicht bei Aktionen von Einheiten auf Einsatz Ebene ein. Wir erhalten Einsatzbefehle und machen Meldung zum WFC (Washington Field Command), bei dem manchmal Vertreter des östlichen Kommandozentrums an Besprechungen teilnehmen, wenn Angelegenheiten von besonderer Wichtigkeit entschieden werden müssen. Nur zweimal vorher habe ich an Besprechungen mit einem Vertreter vom Revolutionskommandos teilgenommen, jedes Mal um grundsätzliche Entscheidungen bezüglich des von mir entworfenen Nachrichtenübermittlungsgeräts für die Organisation zu erreichen. Und das war natürlich in der Zeit, bevor wir in den Untergrund gingen.

So hat die Anwesenheit von Major Williams (ich glaube es ist ein Deckname) bei unserem Treffen heute Nachmittag einen starken Eindruck auf uns alle gemacht. Ich wurde aufgefordert, daran teilzunehmen, weil ich für die richtige Funktion der Bombe verantwortlich bin. Henry war da, weil er für ihre Beförderung zuständig ist.

Und der Grund für diese Besprechung war der Mißerfolg von Einheit 8, die Mindestmenge an Sprengstoff beschaffen zu können, die wir nach meiner und Ed Sanders Einschätzung brauchen, um einen durchschlagenden Erfolg zu erzielen. Ed ist Feldzeug-Experte der Einheit 8 und interessanterweise ein ehemaliger Agent des FBI, der mit der Bauweise und Anlage des FBI-Gebäudes vertraut ist.

So genau wie möglich haben wir errechnet, daß wir mindestens 10.000 Pfund TNT haben sollten oder einen gleichartigen Sprengstoff, um einen wesentlichen Teil des Gebäudes und das neue Computerzentrum im 2. Untergeschoß zu zerstören. Um sicher zu gehen, haben wir 20.000 Pfund angefordert. Statt dessen haben wir jetzt nur etwas weniger als 5.000 Pfund, und fast alles davon ist Ammoniak-Nitrat-Kunstdünger, der für unsere Zwecke weit weniger wirkungsvoll ist als TNT.

Nach den ersten zwei Kisten mit Sprenggelatine war Einheit 8 zwar in der Lage, 400 Pfund Dynamit aus einem anderen U-bahn-Bauschuppen zu stehlen. Wir haben jedoch die Hoffnung aufgegeben, auf diese Weise die nötige Menge Sprengstoff zusammenzubringen. Obgleich an der U-Bahn jeden Tag große Mengen Sprengstoff verwendet werden, wird er nur in kleinen Packungen gelagert, und der Zugang dazu ist sehr schwierig. Zwei Leute von Einheit 8 sind noch mal gerade davongekommen, als sie das Dynamit klauten.

Letzten Donnerstag, als der geplante Zeitpunkt für die Ausführung des Auftrages vor der Tür stand, machten 3 Männer von Einheit 8 einen Nachtüberfall auf ein Lagerhaus für Farmbedarf in der Nähe von Fredericksburg, das ungefähr 50 Meilen südlich von hier liegt. Sie haben keinen eigentlichen Sprengstoff vorgefunden, aber einiges Ammoniak Nitrat, von dem sie alles mitnahmen: vierundvierzig 100 Pfund Säcke von dem Zeug.

Mit Öl empfindlich gemacht und fest gepreßt, eignet sich das Zeug als effektvolles Sprengmittel, wenn man nur große Mengen Erdreich und Felsen in Bewegung setzen will. Aber nach dem Originalplan war eine Bombe erforderlich, die schwerpunktmäßig nicht beengt ist, aber trotzdem in der Lage ist, durch zwei Decken aus Stahlbeton hindurch zu schlagen, mit einer Explosion, die eine Luftdruckwelle von solcher Energie erzeugt, daß die Fassade eines massiven, fest gebauten Gebäudes weggerissen wird.

Endlich, vor zwei Tagen, machte sich Einheit 8 daran, das zu tun, was sie schon zu Anfang hätte tun sollen. Die selben drei Jungs, die das Ammoniak Nitrat aufgetrieben hatten, steuerten mit ihrem Lastwagen hinauf nach Maryland, um ein Militärarsenal auszurauben. Ich entnahm dem, was Ed Sanders sagte, daß wir einen "Legalen" innerhalb des Arsenals haben, der uns dabei helfen kann.

Aber bis heute Nachmittag hatten sie sich nicht gemeldet, und das Revolutionskommmando will nicht länger warten. Für und Wider die Durchführung des Planes mit dem, was wir jetzt haben, spricht folgendes:

Das System schadet uns sehr dadurch, daß es fortwährend unsere "Legalen" verhaftet, von denen die Finanzierung der Organisation zu einem großen Teil abhängt. Wenn die Versorgung mit Geldmitteln durch unsere "Legalen" unterbrochen wird, werden unsere Untergrundeinheiten dazu gezwungen sein, sich in großem Maßstab auf Raubüberfälle zu "spezialisieren", um ihren Unterhalt zu gewährleisten.

Daher glaubt das Revolutionskommando, daß es unbedingt notwendig ist, dem System sofort einen Schlag zu versetzen, der nicht nur die Verhaftung unserer "Legalen" unterbrechen, sondern auch die Moral in der ganzen Organisation steigern wird, indem wir das System blamieren und unsere Fähigkeit zu handeln unter Beweis stellen. Dem, was Williams sagte, konnte ich entnehmen, daß diese zwei Ziele sogar dringender geworden sind, als die ursprüngliche Absicht, die Datenbank zu zerstören.

Andererseits, wenn wir der politischen Polizei des Systems einen Schlag versetzen, der keinen wirklichen Schaden anrichtet, werden wir nicht nur scheitern, diese Ziele zu erreichen, sondern den Feind auch bezüglich unserer Absichten und Taktik vorzuwarnen, wodurch es sehr viel schwieriger sein wird, die Computer zu einem späteren Zeitpunkt zu zerstören. Dies war der Standpunkt, den Henry vertrat, dessen großes Talent es war, immer einen kühlen Kopf zu behalten und sich nicht durch unmittelbare Schwierigkeiten von zukünftigen Zielen ablenken zu lassen. Aber er ist auch ein guter Soldat und absolut willens, seinen Teil bei der morgigen Aktion beizutragen, trotzdem er der Ansicht ist, daß es besser wäre damit zu warten, bis wir sicher sind, daß wir die Sache gründlich machen können.

Ich glaube, daß auch die Leute vom Revolutionskommando die Gefahr bei einer schnellen voreiligen Aktion erkennen. Aber sie müssen viele Faktoren in Betracht ziehen, von denen wir nichts wissen. Williams ist davon überzeugt, daß es dringend erforderlich ist, sofort "Sand in das Getriebe" des FBI zu schütten, da anderenfalls sie uns wie mit einer Dampfwalze platt machen werden. Deshalb drehte sich unsere Diskussion heute Nachmittag hauptsächlich um die uns direkt betreffende Frage, wieviel Schaden wir wohl mit unserer jetzigen Menge von Sprengstoff anrichten können.

Wenn wir in Übereinstimmung mit unserem ursprünglichen Plan den Lastwagen durch die Haupteinfahrt der Frachtannahme des FBI- Gebäudes einfahren und im Frachtannahmebereich hochgehen lassen, wird die Explosion in einem großen zentralen Innenhof stattfinden, der an allen Seiten von starken Mauerwerk umgeben und nach oben zum Himmel offen ist. Ed und ich stimmten darin überein, daß wir mit der jetzigen Menge Sprengstoff nicht in der Lage sein werden, unter den gegenwärtigen Umständen einen wirklich ernstlichen strukturellen Schaden anzurichten.

Wir können in den ganzen Büros, die mit ihren Fenstern dem Hof zuliegen, große Verwüstung anrichten, aber wir können nicht damit rechnen, die innere Fassade des Gebäudes wegzureißen oder bis in das Untergeschoß durchzuschlagen, wo die Computer sind. Einige hundert Menschen werden getötet werden, aber die Maschine wird wahrscheinlich weiterlaufen.

Sanders bat inständig darum, seiner Einheit noch einen Tag Zeit zu geben, um noch mehr Sprengstoff zu besorgen, aber seine Argumentation stand auf schwachen Füßen, weil es in den letzten zwölf Tagen nicht gelang, das Nötige zu besorgen. Nachdem jeden Tag fast 100 unserer "Legalen" verhaftet werden, können wir nicht das Risiko eingehen, auch nur noch zwei Tage länger zu warten, sagte Williams, es sei denn, wir wären uns absolut sicher, in den nächsten zwei Tagen das beschaffen zu können, was wir brauchen.

Wir entschieden uns letztlich für den Versuch, die Bombe direkt in das 1. Untergeschoß zu schaffen, zu dem es eine Einfahrt für Güter in der 10. Straße neben der Haupteinfahrt gibt. Wenn wir die Bombe im Geschoß unter dem Innenhof zur Explosion bringen, wird die räumliche Enge sie beträchtlich wirkungsvoller machen. Sie wird mit ziemlicher Sicherheit die Decke zum 2.Untergeschoß zum Einsturz bringen und dabei die Computer unter sich begraben. Darüber hinaus wird sie die meisten, wenn nicht sogar sämtliche Kommunikations- und Stromversorgungseinrichtungen zerstören, da diese sich in den Untergeschossen befinden. Das große Unbekannte ist, ob die Bombe soviel Schaden an der Gebäudesstruktur anrichten wird, daß es für längere Zeit unbenutzbar bleibt. Ohne einen genauen Bauplan und Bauingenieure können wir diese Frage einfach nicht beantworten.

Der Nachteil beim Untergeschoß liegt darin, daß dort relativ wenig Frachtlieferungen gemacht werden, und die Einfahrt gewöhnlich geschlossen ist. Henry ist deshalb entschlossen, wenn nötig mit dem Lastwagen direkt das Tor zu durchbrechen.

So soll es sein. Morgen Abend werden wir viel mehr darüber wissen als heute.


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