30. September 1991: In der letzten Woche gab es so viel Arbeit, so daß ich keine Zeit zum Schreiben hatte. Unser Plan zum Aufbau des Netzwerkes war einfach und gradlinig, aber um ihn in die Praxis umzusetzen, erforderte er eine Wahnsinnsleistung, zumindest soweit das mich betrifft. Die Schwierigkeiten, die ich zu überwinden hatte, haben bei mir wieder einmal die Tatsache unterstrichen, daß sogar die am Besten ausgearbeiteten Pläne gefährlich irreführend sein können, wenn nicht viel Flexibilität eingebaut wird, um unvorhergesehenen Schwierigkeiten Rechnung zu tragen.
Grundsätzlich hängt das Netzwerk, das alle Einheiten miteinander verbindet, von zwei Arten der Nachrichtenübermittlung ab: 1. von persönliche Kurieren und 2. von Nachrichtenübermittlung mit Spezialfunkgeräten. Ich bin nicht nur verantwortlich für unsere eigenen Funkempfangsgeräte, sondern auch für die gesamte Wartung und Überwachung der Empfänger der elf anderen Einheiten im Gebiet von Washington und der Sender des Washington-Kommandostabes und der Einheit Nr. 9. Was meine Wochenplanung richtig durcheinander warf, war eine in letzter Minute getroffene Entscheidung unseres militärischen Oberkommandos in Washington, die Einheit Nr. 2 auch mit einem Sender auszurüsten. Ich mußte für die Ausrüstung sorgen.
So wie das Netzwerk aufgebaut ist, wird jeder Meinungsaustausch, der Beratung erfordert oder längere Einsatzbesprechungen und Lageberichte in mündlicher Besprechung von Angesicht zu Angesicht durchgeführt. Da die Telefongesellschaft jetzt mit dem Computer Aufzeichnungen aller Orts- und Ferngespräche macht und auch die politische Polizei sehr viele Gespräche abhört, ist die Benutzung von Telefonen ausgeschlossen, es sei denn in außergewöhnlichen Notfällen.
Andererseits werden Nachrichten genereller Art, die leicht und schnell codiert werden können, gewöhnlich per Funk gesendet. Die Organisation hat mit sehr viel Überlegung ein "Wörterbuch" ausgearbeitet, das aus fast 800 verschiedenen Standardfunksprüchen besteht die in einer dreistelligen Nummer ausgedrückt werden können.
Also könnte die Nummer "2006" zu einer bestimmten Zeit die Mitteilung beinhalten: "Die für Einheit 6 geplante Operation wird bis auf weiteres verschoben." Eine Person in jeder Einheit hat sich sämtliche Begriffe eingeprägt und ist dafür verantwortlich, jederzeit den aktuellen Nummerncode des "Wörterbuches" zu wissen. Diese Person in unserer Einheit ist George.
Eigentlich ist das nicht so schwer, wie sich das anhört. Das Funkspruch-Wörterbuch ist in einer sehr zweckmäßig geordneten Weise zusammengestellt, und wenn man sich einmal die Grundstruktur eingeprägt hat, ist es nicht zu schwierig, sich das Ganze zu merken. Der Nummerncode der Funksprüche wird alle paar Tage willkürlich gewechselt, aber das heißt nicht, daß George das ganze "Wörterbuch" wieder von neuem auswendig lernen muß; er braucht nur die numerische Bezeichnung einer einzigen Mitteilung zu wissen und kann dann davon alle anderen Bezeichnungen ableiten.
Die Verwendung dieses Codesystems läßt es zu, daß wir mit einfachem und tragbarem Gerät mit ausreichender Sicherheit Funkkontakt halten können. Weil unsere Funkaussendung nie länger als eine Sekunde dauert und sehr unregelmäßig stattfindet, ist es unwahrscheinlich, daß die politische Polizei irgendeinen Sender richtungsmäßig orten kann, oder in der Lage ist, einen abgehörten Funkspruch zu dechiffrieren.
Unsere Empfänger sind sogar einfacher als unsere Sender, und sind eine Art Mischung aus einem Taschentransistorradio und einem Taschenrechner. Sie bleiben immer eingeschaltet, und wenn ein numerischer Impuls auf dem richtigen Frequenzcode von irgendeinem unserer Sender in dem Gebiet ausgesendet wird, wird er von ihnen empfangen, wobei alles gespeichert und angezeigt wird, ob es im Moment mitgehört wird oder nicht.
Mein Hauptbeitrag für die Organisation war bis jetzt die Entwicklung dieser Funkausrüstung und in der Tat auch die Herstellung eines großen Teiles davon.
Die erste Serie von Nachrichtenübermittlung, die durch den Kommandostab in Washington an alle Einheiten in diesem Gebiet ausgesendet wurde, fand am Sonntag statt. Den Einheiten wurden Anweisungen erteilt, ihren Kontaktmann zu einem mit einer Nummer angegebenen Ort zu einer Einsatzbesprechung zu schicken und einen Bericht über den Zustand der Einheit abzugeben.
Als George am Sonntag von der Einsatzbesprechung zurück kam, gab er uns die Neuigkeiten bekannt. Das wesentliche daran war, daß, obwohl im Bereich von Washington bis jetzt keine Probleme aufgetaucht sind, der Stab in Washington besorgt ist, wegen der Berichte, die er von unseren Informanten in der politischen Polizei erhalten hat.
Das System macht alle Anstrengungen, um unser habhaft zu werden. Hunderte von Personen, die im Verdacht stehen, mit der Organisation zu sympathisieren oder andere, wenn sie auch nur entfernte Verbindung mit uns haben, wurden verhaftet oder verhört. Unter diesen sind einige von unseren "Legalen, aber offenbar waren die Behörden bis jetzt nicht in der Lage, sie irgendwie eindeutig festzunageln, und die Verhöre haben keine wirklichen Anhaltspunkte ergeben. Dennoch ist die Reaktion des Systems auf die Ereignisse in der letzten Woche in Chicago allgemeiner und entschiedener als erwartet.
Eine Sache, an der sie arbeiten, ist ein per Computer kontrolliertes, universelles, internes Kennkartensystem. An jede Person im Alter von zwölf Jahren und darüber soll eine Kennkarte ausgegeben werden, und jeder ist dann unter Androhung von schweren Strafen verpflichtet, diese jederzeit bei sich zu tragen. Nicht nur, daß man auf der Straße durch jeden Polizeiangehörigen angehalten und aufgefordert werden kann, sich auszuweisen, sondern es wurde auch ein Plan erarbeitet, nach dem der Paß für einige alltägliche Besorgungen nötig wird, wie beim Kauf eines Flugscheines, einer Bus- oder Eisenbahnfahrkarte, der Einbuchung in ein Hotel oder Motel und zu medizinischer Betreuung in einem Krankenhaus oder einer Klinik.
Alle Fahrkartenschalter, Motel-Anmeldungen, Praxen von Ärzten und so weiter werden mit Computerterminals ausgerüstet, die über die Telefonleitungen mit einer riesigen staatlichen Datenbank und einem Computerzentrum verbunden sein werden. Eines Kunden magnetisch codierte Kennkartennummer wird routinemäßig in den Computer eingespeichert, wenn immer er eine Fahrkarte kauft, eine Rechnung bezahlt oder um einen Kundendienst ansucht. Wenn es irgendeine Unregelmäßigkeit gibt, schaltet sich in der nächstgelegenen Polizeistation eine Warnlampe ein und zeigt die Lage des den Delikt anzeigenden Computerterminals an und damit den unglücklichen Kunden.
Sie haben dieses interne Kennkartensystem schon mehrere Jahre hindurch entwickelt und haben jetzt alles im Detail ausgearbeitet. Der einzige Grund, warum es bis jetzt nicht eingesetzt wurde, liegt an dem Gezeter von verschiedenen Gruppen für Bürgerfreiheit, die das als einen weiteren großen Schritt in Richtung eines Polizeistaates sehen, was es natürlich auch ist. Aber jetzt scheint sich das System sicher zu sein, daß es sich über den Widerstand der Liberalen hinwegsetzen kann, indem es uns dafür als Entschuldigung benutzt. Im Kampf gegen den Rassismus ist nun mal alles erlaubt!
Es wird mindestens drei Monate dauern, um die notwendige Ausrüstung zu installieren und dieses System in Gang zu bringen, aber sie gehen dabei so schnell voran, wie sie können, und sie rechnen damit, dies dann als eine vollzogene Tatsache mit voller Rückenstärkung der Medien bekanntgeben zu können. Später wird dieses System allmählich erweitert werden, so daß Computerterminals schließlich in jedem Einzelhandelsgeschäft aufgestellt werden. Kein Mensch wird dann in der Lage sein, ein Essen in einem Restaurant einzunehmen, seine Wäsche abzuholen oder Lebensmittel einzukaufen, ohne daß dabei seine Kennkartennummer von einem Computer neben der Kasse magnetisch abgelesen wird.
Wenn die Dinge an diesem Punkt angelangt sind, wird das System die Bevölkerung wirklich fest im Griff haben. Mit der Macht der modernen Computer zu ihrer Verfügung wird die politische Polizei in der Lage sein, jederzeit genau festzustellen, wo sich eine Person befindet und was sie gerade tut. Wir werden schwer darüber nachzudenken haben, was wir gegen dieses Kennkartensystem tun können.
Nach dem, was unsere Informanten uns bis jetzt sagten, wird es für uns dann nicht mehr genügen, nur die Pässe zu fälschen und falsche Nummern zu bilden, denn, wenn der zentrale Computer eine falsche Nummer ausmacht, wird automatisch ein Signal an die nächste Polizeistation gesendet. Das gleiche wird passieren, wenn John Jones, der in Spokane lebt und seine Kennkarte dazu benutzt, um dort Lebensmittel einzukaufen, plötzlich auch in Dallas Lebensmittel einkauft. Oder aber sogar, wenn der Computer mit Sicherheit Bill Smith auf einer Kegelbahn in der Hauptstraße lokalisiert hat und ihn gleichzeitig in einer Kleiderreinigung in einem anderen Stadtteil aufzeigt.
Das alles ist eine bedrückende Aussicht für uns -- etwas, das technisch schon seit einiger Zeit durchführbar ist, aber wovon wir bis vor kurzem keine Ahnung hatten, daß das System tatsächlich davon Gebrauch machen würde.
Was George von seiner Einsatzbesprechung noch mitbrachte, war die Aufforderung an mich, sofort einen Besuch bei Einheit Nummer 2 zu machen um ein besonderes technisches Problem, das sich stellte, zu lösen. Normalerweise hätten weder George noch ich gewußt, wo die Basis von Einheit Nummer 2 ist, und wenn es nötig gewesen wäre, jemanden von jener Einheit zu treffen, würde die Begegnung woanders stattgefunden haben. Dieses zu lösende Problem machte es jedoch erforderlich, daß ich mich zu ihrem Versteck begab, und George gab mir die Wegbeschreibung, die ihm gegeben wurde, bekannt.
Die sind oben in Maryland, mehr als 30 Meilen von uns entfernt, und da ich sowieso alle meine Werkzeuge mitnehmen mußte, nahm ich den Wagen.
Sie haben eine schöne Unterkunft, ein großes Farmhaus mit mehreren Nebengebäuden auf etwa 40 acres = 16 ha Wiesen- und Waldland, für eine Farm aber lächerlich klein. Es gehören acht Mitglieder zu ihrer Einheit, mehr als bei den meisten, aber offenbar ist keiner dabei, der zwischen Volt und Ampere unterscheiden kann oder weiß, welches die Spitze bei einem Schraubenzieher ist. Das ist unverständlich, denn man hätte dafür sorgen müssen, daß bei der Bildung der Einheiten Leute mit wertvollen Fertigkeiten überall gut verteilt waren.
Einheit 2 liegt in ziemlicher Nähe zu zwei anderen Einheiten, aber alle drei sind wiederum ungünstig weit von den anderen 9 Einheiten im Raum Washington entfernt, das gilt besonders für Einheit 9, welche die einzige ist die einen Sender hat, mit dem man den Stab in Washington erreichen kann. Deswegen hat der Stab sich entschieden, nun der Einheit 2 auch einen Sender zu geben, aber die waren einfach nicht in der Lage, ihn in Gang zu bringen.
Der Grund für ihre Schwierigkeiten wurde ersichtlich, als sie mich in die Küche führten, wo ihr Sender, eine Auto Batterie und einige Drahtstücke auf einem Tisch ausgebreitet waren. Trotz ausführlicher Beschreibung, welche ich für jeden Sender ausgearbeitet hatte und die beigelegt war und trotz der deutlichen Markierungen neben den Polen auf dem Sendergehäuse, hatten sie es fertiggebracht, die Batterie an den Sender mit falscher Polarität anzuschließen.
Ich tat einen Seufzer und stellte ein paar ihrer Jungs an, mir beim hineintragen meiner Ausrüstung zu helfen. Zuerst überprüfte ich ihre Batterie und stellte fest, daß sie fast ganz entladen war. Ich sagte ihnen, sie sollten die Batterie an das Ladegerät anschließen, während ich den Sender überprüfte. Ladegerät? Was für ein Ladegerät, wollten sie wissen? Sie hatten keines!
Wegen der Unzuverlässigkeit, in diesen Tagen Elektrizität aus dem öffentlichen Stromnetz zu bekommen, wird unser ganzes Nachrichtenübermittlungsgerät durch Akkumulatoren betrieben, die mit einem Erhaltungsladegerät aus dem Netz geladen werden. Auf diese Art sind wir nicht von Stromsperren oder Stromschwankungen abhängig, die in den letzten Jahren zu einer wöchentlichen, wenn nicht sogar täglichen Erscheinung wurden.
Genau wie bei fast allen anderen öffentlichen Einrichtungen in diesem Land war es so: je höher der Preis für Strom stieg, desto unzuverlässiger stand er zur Verfügung. Im August dieses Jahres z.B. war die Stromversorgung für Haushalte im Gebiet von Washington im Durchschnitt für ganze vier Tage vollkommen ausgefallen, und die Spannung war im Gesamtdurchschnitt von zwei Wochen über 15% reduziert worden.
Die Regierung ist dabei, Anhörungen abzuhalten, führt Untersuchungen durch und veröffentlicht Berichte über die Stromknappheit, aber es wird nur immer schlechter. Keiner der Politiker ist bereit, sich den wirklichen Problemen, die hier im Spiel sind zu stellen, von denen eines verheerende Folgen für Amerikas Versorgung mit ausländischem Rohöl gehabt hat, nämlich die von Israel dominierte Außenpolitik Washingtons in den letzten zwei Jahrzehnten.
Ich zeigte ihnen, wie man die Batterie in ihrem Lieferwagen anzuklemmen hat, um sie mit einer Notladung zu versehen und überprüfte ihren Sender, um zu sehen, welcher Schaden angerichtet wurde. Ein Ladegerät für ihre Batterie würde man später zu besorgen haben.
Der wichtigste Teil des Senders, die Codierungseinheit, die einen digitalisierten Impuls durch eine Taschenrechner-Tastatur erzeugt, schien in Ordnung zu sein. Sie ist durch eine Diode gegen Schaden durch falsche Polarität geschützt. Jedoch im Sender selbst, waren drei Transistoren durchgebrannt.
Ich war mir ziemlich sicher, daß der Stab in Washington noch mindestens einen Ersatzsender auf Lager hat, aber um das herauszufinden, müßte ich eine Nachricht an sie übermitteln. Das bedeutete einen Kurier hinüber zu Einheit 9 zu schicken, um die Anfrage durchzugeben und dann dafür zu sorgen, daß jemand den Sender vom Stab zu uns bringt. Im Hinblick auf unsere Vorgehensweise, Funksprüche von Feldeinheiten auf Nachrichten von besonderer Dringlichkeit zu beschränken, zögerte ich, den Stab damit zu belästigen.
Nachdem Einheit 2 sowieso ein Ladegerät brauchte, beschloß ich, mir die Ersatztransistoren in einem Großhandelsgeschäft gleichzeitig mit dem Ladegerät zu besorgen und sie selbst einzubauen. Jedoch stellte sich heraus, daß es leichter gesagt als getan war, herauszufinden, wo es die Teile gab, die ich brauchte, und es war bereits nach 18 Uhr, als ich zum Farmhaus zurückkam.
Die Benzinuhr hatte "leer" angezeigt, als ich in ihre Einfahrt einbog. Nachdem ich vor dem Risiko Angst hatte, meine Rationierungskarte für Benzin an einer Tankstelle zu benutzen und nicht wußte, wo hier Schwarzmarktbenzin erhältlich ist, mußte ich die Leute von Einheit 2 um ein paar Gallonen Treibstoff bitten, um nach Hause zurückkehren zu können. "Das ist ja gut Mann!", sagten sie. Sie hatten selbst insgesamt nur etwa eine Gallone in ihrem Lieferwagen und wußten auch nicht, wo Schwarzmarktbenzin erhältlich war.
Ich fragte mich, wie eine solch unbeholfene und einfallslose Gruppe als Untergrundeinheit überleben konnte. Es scheint, als ob das alles Leute wären, welche die Organisation für Partisanenaktivitäten als ungeeignet ansieht und deshalb in dieser Einheit zusammengefaßt hat. Vier davon sind Schriftsteller aus der Abteilung für Veröffentlichungen der Organisation und arbeiten auf der Farm weiterhin an Propagandatexten für Flugblätter und Prospekte. Die anderen vier betätigen sich nur als Helfer, um die Unterkunft mit Nahrungsmitteln und anderem Bedarf zu versorgen.
Da bei Einheit 2 niemand ein Fahrzeug für Transportzwecke brauchte, hatten sie sich wegen Treibstoff nicht viel Sorgen gemacht. Schließlich meldete sich einer von ihnen freiwillig, um später am Abend etwas Benzin aus einem Fahrzeug auf einer benachbarten Farm abzusaugen. Wir hatten gerade wieder einen Stromausfall in dieser Gegend, so daß ich meinen Lötkolben nicht benutzen konnte. Ich machte deshalb für diesen Tag Schluß.
Ich brauchte den ganzen nächsten Tag, und zwar bis in den späten Abend, um schließlich ihren Sender richtig zum Arbeiten zu bringen, da ich einige Schwierigkeiten nicht vorausgesehen hatte. Als ich mit der Arbeit um Mitternacht endlich fertig war, schlug ich vor, den Sender an einem besser geeigneten Platz als in der Küche aufzustellen, am besten in der Mansarde oder zumindest im zweiten Stock des Hauses.
Wir fanden schließlich einen geeigneten Platz und trugen alles nach oben. Im Verlauf dessen hatte ich das Mißgeschick, daß mir der Akku auf den linken Fuß fiel. Zuerst war ich ziemlich sicher, daß ich ihn gebrochen hatte. Ich konnte überhaupt nicht darauf gehen.
So mußte ich noch eine Nacht im Farmhaus zubringen. Trotz allem war jeder von Einheit 2 wirklich sehr freundlich zu mir, und sie waren richtig dankbar für die Mühe, die ich mir ihretwegen machte.
Wie versprochen, wurde mir für meine Rückfahrt gestohlener Treibstoff zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus bestanden sie darauf, meinen Wagen mit einer großen Menge von Konserven zum Mitnehmen voll zu laden, von welchen sie einen unbegrenzten Vorrat zu haben schienen. Ich fragte sie, wo sie das alles her hatten, aber bekam als einzige Antwort ein Lächeln mit der Versicherung, daß sie noch viel mehr davon besorgen könnten, wenn sie es bräuchten. Vielleicht sind sie doch einfallsreicher, als ich zuerst gedacht hatte.
Es war heute morgen um zehn, als ich bei unserem Gebäude wieder ankam. George und Henry waren beide weg, aber Katherine begrüßte mich und öffnete das Garagentor, damit ich reinfahren konnte. Sie fragte mich, ob ich schon gefrühstückt hätte.
Ich sagte ihr, daß ich bei Einheit 2 gegessen und keinen Hunger hätte, aber daß mich der Zustand meines Fußes beunruhigte, der schmerzhaft pochte und fast auf das doppelte seiner normalen Größe angeschwollen war. Sie half mir, als ich die Treppen zu den Wohnräumen hinaufhinkte, und brachte mir eine große Schüssel mit kaltem Wasser, um meinen Fuß darin zu baden.
Das kalte Wasser befreite mich fast augenblicklich vom Pochen des Fußes, und ich lehnte mich dankbar auf die Kissen zurück, die Katherine hinter mir auf der Couch aufgerichtet hatte. Ich erzählte ihr, wie ich mir den Fuß verletzt hatte und wir tauschten andere Neuigkeiten über verschiedene Ereignisse der letzten beiden Tage aus.
Die drei haben den ganzen gestrigen Tag damit verbracht, Regale aufzustellen und kleinere Reparaturen zu machen, dazu waren sie mit dem Saubermachen und Malen fertig geworden, das uns alle schon mehr als eine Woche beschäftigte. Mit den herbeigesammelten, alten Möbeln, die wir vorher schon für die Wohnung beschafft hatten, fängt sie langsam an, erträglich auszusehen. Eine ziemliche Verbesserung gegenüber der kahlen, kalten und dreckigen Maschinenhalle, die sie war, als wir einzogen.
Gestern Abend hat Katherine mich darüber informiert, daß George über Funk zu einem weiteren Treffen mit einem Mann vom Stab (WFC) aufgefordert worden war. Dann, heute am frühen Morgen, gingen er und Henry zusammen weg, wobei sie ihr nur sagten, daß sie den ganzen Tag unterwegs wären.
Ich mußte für ein paar Minuten eingenickt sein und als ich aufwachte, war ich allein und mein Fußbad war nicht mehr kalt. Doch fühlte sich mein Fuß viel besser an und die Schwellung ist merklich zurückgegangen. Ich beschloß unter die Dusche zu gehen.
Die Dusche ist ein nur mit kaltem Wasser versorgter Notbehelf, die Henry und ich letzte Woche in einem großen Einbauschrank installierten. Wir haben die Wasserinstallation montiert und eine Lampe angebracht, Katherine hat die Wände und den Boden mit selbstklebenden PVC belegt, um sie wasserdicht zu machen. Die Dusche öffnet sich nach dem Raum, den George, Henry und ich zum Schlafen benutzen. Von den zwei anderen Räumen über dem Laden, benutzt Katherine den kleineren als Schlafraum und der andere ist zur allgemeinen Benutzung und dient als Küchen- und Essenbereich.
Ich zog mich aus, nahm ein Handtuch und öffnete die Tür zur Dusche. Und da stand Katherine, naß, nackend und anmutig unter der kahlen Glühbirne und trocknete sich ab. Sie sah mich ohne Überraschung an und sagte nichts.
Ich stand für einen Moment da und dann, anstatt mich zu entschuldigen und die Tür wieder zuzumachen, streckte ich impulsiv die Hände nach Katherine aus. Zögernd trat sie auf mich zu. Die Natur nahm ihren Lauf.
Danach lagen wir eine ganze Weile im Bett und sprachen miteinander. Es war das erstemal, daß ich wirklich allein mit Katherine sein konnte. Sie ist ein anhängliches, einfühlsames und sehr weibliches Mädchen unter dem kühlen, professionellen Äußeren, das sie immer bei ihrer Arbeit für die Organisation zur Schau trug.
Vor vier Jahren, vor den Waffenrazzien, war sie die Sekretärin eines Mitglieds des Repräsentantenhauses. Sie wohnte zusammen mit einem anderen Mädchen, das auch am Capitol Hill arbeitete, in einem Appartement in Washington. Eines abends, als sie von der Arbeit nach Hause kam, fand sie die Leiche ihrer Mitbewohnerin in einer Blutlache auf dem Boden liegend vor. Sie war von einem eingedrungenen Neger vergewaltigt und getötet worden.
Das ist der Grund, warum sich Katherine eine Pistole kaufte und sie sogar behielt, nachdem das Cohen-Gesetz den Besitz von Schußwaffen illegal machte. So war sie 1989 eine von denen, die in den Schußwaffenrazzien zusammen mit fast einer Million anderer zusammengetrieben wurden. Katherine hatte vorher nie irgendwelchen Kontakt zur Organisation gehabt. Erst im Haftlager wurde sie mit George bekannt, und so kam sie zur Organisation.
Katherine war unpolitisch gewesen. Wenn jemand sie während der Zeit, als sie für die Regierung arbeitete, oder davor als Studentin auf dem Kollege, nach ihrer politischen Einstellung gefragt hätte, würde sie wahrscheinlich gesagt haben, daß sie eine "Liberale" sei. Aber sie war nur liberal in der gedankenlosen, automatischen Art, wie es die meisten Leute sind. Ohne wirklich darüber nachzudenken oder es zu analysieren, akzeptierte sie oberflächlich die naturwidrige Ideologie, mit der die Massenmedien und die Regierung hausieren gingen. Sie hatte nichts von der Unaufrichtigkeit, nichts vom Schuldgefühl und Selbsthaß, nichts von allem, das einen wirklich überzeugten totalen Liberalen ausmacht.
Nachdem die Polizei sie entließ, gab ihr George einige Bücher über Rasse, Geschichte und einige Veröffentlichungen der Organisation zum Lesen. Zum erstenmal in ihrem Leben fing sie an, ernstlich über die wichtigen rassischen, sozialen und politischen Fragen nachzudenken, die den Wurzeln der täglichen Probleme zugrunde liegen.
Sie erfuhr die Wahrheit über den "Gleichheits"-Schwindel des Systems. Sie erwarb sich das Verständnis für die einzigartige historische Rolle der Juden als Ferment der Zersetzung von Rassen und Kulturen. Noch wichtiger, sie fing an, das Bewußtsein von rassischer Identität anzunehmen, wobei sie die lebenslange Gehirnwäsche überwand, die darauf abzielte, sie zu einem isolierten menschlichen Atom in einem kosmopolitischen Chaos zu machen.
Sie hatte ihre Stelle im Kongreß infolge ihrer Verhaftung verloren und ungefähr zwei Monate später fing sie an, für die Organisation als Schreibkraft in unserer Verlagsabteilung zu arbeiten. Sie ist eine intelligente und fleißige Arbeiterin und wurde bald zur Korrekturleserin und dann zur Redakteurin ernannt. Sie schrieb selbst einige Artikel für die Veröffentlichungen der Organisation, wobei sie größtenteils die Rolle der Frauen in der Bewegung und allgemein in der Gesellschaft untersuchte und erst im letzten Monat wurde sie zum Herausgeber einer neuen Vierteljahresschrift der Organisation ernannt, die eigens auf Frauen zugeschnitten ist.
Ihre Karriere als Herausgeber ist jetzt natürlich auf Eis gelegt, zumindest vorübergehend, und ihr nützlichster Beitrag zu unserem gegenwärtigen Einsatz ist ihre außergewöhnliche Fertigkeit beim Make-up und der Verkleidung, etwas das sie sich aneignete, als sie als Studentin beim Liebhaberbühne mitwirkte.
Obwohl sie ihren ersten Kontakt zu George hatte, trat Katherine mit ihm nie in eine emotionale und romantische Beziehung. Als sie sich das erste Mal begegneten, war George noch verheiratet. Später nachdem Georges Frau, die nie seine Arbeit für die Organisation billigte, ihn verlassen und Katherine sich der Organisation angeschlossen hatte, waren sie beide in verschiedenen Abteilungen zu beschäftigt, um miteinander viel Kontakt zu haben. In der Tat war George, dessen Arbeit bei der Auftreibung von Geld und als herumreisender Organisator ihn an die Straße band, eigentlich nicht oft in Washington anzutreffen.
Es ist ein reiner Zufall, daß George und Katherine gleichzeitig dieser Einheit zugeteilt wurden, aber George glaubt ziemlich offensichtlich, einen Besitzanspruch auf sie zu haben. Obgleich Katherine nie irgendwas tat oder sagte, um meine Annahme zu untermauern, habe ich bis heute morgen auf Grund von Georges Verhalten ihr gegenüber, es als selbstverständlich erachtet, daß zwischen ihnen doch irgendeine Beziehung bestand.
Da George nominal der Führer unserer Einheit ist, habe ich meine natürliche Neigung zu Katherine bisher im Zaum gehalten. Jetzt, befürchte ich, ist die Situation ein bißchen schwieriger geworden. Wenn George nicht in der Lage ist, sich dem mit Anstand anzupassen, wird diese Angelegenheit zur Belastung werden und könnte nur durch irgendeine personelle Veränderung in den Einheiten unseres Gebietes ausgeräumt werden.
Vorläufig jedoch gibt es andere Probleme, über die wir uns zu sorgen haben -- große! Als George und Henry heute Abend endlich wieder zurück waren, wurde uns klar, was sie den ganzen Tag gemacht hatten: Sie haben eine Fallstudie über die FBI-Zentrale in der Stadtmitte gemacht. Unserer Einheit wurde die Aufgabe zugewiesen, sie hochzujagen!
Der Auftrag kam ursprünglich direkt vom Revolutionsbefehlshaber, und ein Mann wurde vom östlichen Befehlszentrum zum Stab nach Washington geschickt zu der Einsatzbesprechung, an der George am Sonntag teilnahm, um die örtlichen Einheitsführer zu mustern und einen für diese Aufgabe auszuwählen.
Offenbar hat sich das Revolutionskommando dazu entschlossen, in die Offensive gegen die politische Polizei zu gehen, bevor sie noch mehrere unserer "Legalen" verhaftet hat oder in der Lage ist, ihr computergesteuertes Kennkartensystem fertigzustellen.
George erhielt den Befehl, nachdem er gestern zu einer zweiten Einsatzbesprechung zum Stab (WFC) zitiert wurde. Ein Mann von Einheit 8 war auch bei der gestrigen Einsatzbesprechung zugegen. Einheit 8 wird uns unterstützen.
Der Plan ist im Großen und Ganzen der: Einheit 8 wird eine große Menge Sprengstoff besorgen -- zwischen fünf und zehn Tonnen. Unsere Einheit wird einen Lastwagen in ihre Gewalt bringen, der dabei ist, eine rechtmäßige Lieferung zur FBI- Zentrale zu bringen, sich an einer verabredeten Stelle, an der die Einheit 8 wartet, mit dieser treffen und die Ladungen auswechseln. Wir werden den Lastwagen mit dem Sprengstoff dann zur Frachtannahmestelle im FBI-Gebäude fahren, den Zünder einstellen und den Lastwagen zurücklassen.
Während Einheit 8 das Problem mit dem Sprengstoff löst, müssen wir alle anderen Einzelheiten dieser Aufgabe ausarbeiten. Vor allem müssen wir erkunden, wie bei der Warenannahmestelle des FBI der Empfang von Lieferungen gehandhabt wird, und ob dafür bestimmte Anlieferungszeiten festgesetzt sind. In einer Frist von zehn Tagen müssen wir das klären.
Meine Aufgabe ist der Entwurf und die Herstellung des Zündmechanismus für die Bombe.
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