Die Turner-Tagebücher

Kapitel 24


8. August 1993: Seit vier Tagen bin ich für Südkalifornien der geschäftsführende Leiter unseres neu eingerichteten Amtes für Vorräte, Versorgungsbetriebe, Dienstleistungsbetriebe und Transport (PRUST). Es handelt sich um eine zeitlich begrenzte Aufgabe, und ich werde den Posten innerhalb der nächsten zehn Tage an einen anderen Techniker übergeben, einem aus der Gruppe der Freiwilligen, mit denen ich während der letzten drei Wochen zusammengearbeitet habe. Es werden ihm eine Anzahl örtlicher Leute, die hier ehemals entweder bei Staatsämtern, Bezirks- und Stadtverwaltungen oder bei privaten Dienstleistungsbetrieben beschäftigt waren, zur Verfügung stehen, so daß ich sicher sein kann daß er in der Lage sein wird die noch verbliebenen Macken in dem Amt auszubügeln.

Nachdem hier jetzt mehr als die Hälfte der Leute aus Schlüsselpositionen wieder auf ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt ist, beginnen die Dinge fast wieder normal zu laufen. Wir haben die Elektrizitäts- und Wasserversorgung, die Abwasseraufbereitung, Müllabfuhr und den Telefondienst in allen besetzten Gebieten wiederhergestellt, wobei allerdings der Strom streng rationiert ist. Wir haben sogar wieder fünfzig Tankstellen geöffnet, so daß die Zivilisten, deren Aufgabengebiet Dringlichkeitsstatus hat, für ihre Autos Treibstoff beziehen können.

Die hierfür verantwortliche Dienststelle deckt unsere ganze Enklave ab, von Vandenberg bis zur mexikanischen Grenze, und ich war viel auf Achse, um mir einen Überblick über den Bedarf und die Reserven in den verschiedenen Gebieten zu verschaffen und alles leidlich zu koordinieren. Ich bin wirklich sehr zufrieden mit dem, was wir in solch kurzer Zeit erreicht haben. Neben dem Militär und dem Amt für Nahrungsmittelversorgung ist diese Dienststelle für die wichtigsten Funktionen zuständig, und hat von all den Ämtern, die wir hier eingerichtet haben, die meisten Beschäftigten.

Einer der interessantesten Aspekte meiner Arbeit ist die Abstimmung mit dem Amt für Nahrungsmittelversorgung, das sich mit der Produktion der Nahrungsmittel befaßt. Wir transportieren, lagern und verteilen diesen. In erster Linie gab es insofern einige Probleme zu lösen, weil ein gewisser Teil der produzierten Nahrungsmittel nicht direkt von den Feldern zu den Verteilerstellen geht, sondern erst verarbeitet werden muß. Das heißt, daß das Amt für die Nahrungsmittelversorgung sich in einem gewissen Umfang mit der Lagerung und dem Transport von den Feldern zu den Verarbeitungsbetrieben zu befassen hat, ehe unsere Dienststelle die volle Verantwortung übernimmt. Auch besteht für das Amt für Nahrungsmittelversorgung (AfN) ein spezieller Beförderungsbedarf, da seine Arbeiter von den Unterkünften auf die Felder und zurück zu bringen sind.

Ich mußte mich mit der ganzen Arbeitsweise von AfN vertraut machen, um auf die beste Weise die Abgrenzung unserer jeweiligen Zuständigkeit festlegen zu können. Ich bin sehr beeindruckt von dem, was ich gesehen habe. AfN hat mehr als 600.000 Beschäftigte -- etwa ein Viertel des arbeitenden Teils der Bevölkerung unter unserer Kontrolle -- zur Nahrungsmittelproduktion mobilisiert. Zwischen zehn und fünfzehn Prozent dieser Arbeiter sind Weiße, die früher in diesem Gebiet Feld- oder Viehwirtschaft betrieben haben. Fast ein Drittel der jungen Freiwilligen gehören der Altersgruppe der 12 bis 18jährigen an. Der Rest sind Leute aus städtischen Gebieten, die vorher in jetzt nicht lebensnotwendigen Berufen arbeiteten und deshalb den Arbeitsmannschaften unter der Leitung von AfN zugeteilt wurden.

Viele der letzteren Gruppe verrichten zum erstenmal in ihrem Leben wirklich produktive Arbeit. Das heißt AfN leistet neben seinen eigentlichen Aufgaben einen wichtigen Beitrag sowohl zur sozialen Wiedereingliederung als auch in der Nahrungsmittelproduktion, und unser Amt für Erziehung arbeitet in dieser Angelegenheit eng mit AfN zusammen. Jeder Arbeiter nimmt pro Woche an zehn Lehrstunden teil, und er wird dabei nicht nur nach der allgemeinen Einstellung zu seiner Arbeit und Produktivität eingestuft, sondern auch danach, wie er diese Lektionen verarbeitet.

Es findet so eine andauernde Siebung statt, wobei Arbeiter, je nach ihrer Einstellung und Leistung in ihrer vorherigen Gruppe, anderen Arbeitsgruppen zugeteilt werden. Auf diese Weise bilden sich schon die ersten Arbeitsgruppen zur Ausbildung von Führungskräften. Von letzteren werden dann Kandidaten für die Organisationsmitgliedschaft ausgewählt.

Während meiner Inspektionstour bezüglich der Arbeitsweise von AfN hielt ich bei sich bietenden Gelegenheiten mehrmals an und sprach mit den Arbeitern auf den Feldern. Die Moral der Gruppen mit einem hohen Anteil von ehemaligen Gesellschaftsschmarotzern unterschied sich beträchtlich von den Ausbildungsgruppen zukünftiger Führungskräfte, aber nirgends war festzustellen daß sie wirklich schlecht ist. Jedem wurde eindrücklich klar gemacht, daß, trotz der durch die Revolution verursachten Beeinträchtigungen und Entbehrungen, wir jetzt sicher sein können daß genug Nahrungsmittel für alle vorhanden sind, aber daß diejenigen, die nicht arbeiten, auch nicht essen werden.

Den nachhaltigsten Eindruck bekam ich durch die Tatsache, daß jedes Gesicht, das ich auf den Feldern sah, weiß war: keine Mexikaner, keine Orientalen, keine Schwarzen, keine Bastarde. Die Luft scheint reiner, die Sonne heller zu scheinen, und das Leben fröhlicher zu sein. Was für einen herrlichen Wandel hat doch nur diese eine Errungenschaft unserer Revolution gezeitigt!

Und auch die Arbeiter fühlen den Unterschied, ob sie nun ideologisch bei uns stehen oder nicht. Ein neues Gefühl der Solidarität, geistiger Verwandtschaft und selbstloser Zusammenarbeit zur Bewältigung, einer gemeinsamen Aufgabe ist unter ihnen entstanden.

Auch die meisten Nachrichten aus den anderen Teilen des Landes stimmen uns sehr fröhlich. Obgleich sich das System immer noch hält, gelingt ihm das nur durch zunehmende offene und brutale Unterdrückung. Das ganze Land steht unter Kriegsrecht, und die Regierung ist stark auf in aller Eile bewaffnete schwarze Schlägertrupps angewiesen, um die weiße Bevölkerung weiter einzuschüchtern. Die Hälfte der aus Berufssoldaten bestehenden Einheiten muß sich wegen "Unzuverlässigkeit" immer noch in ihren Kasernen aufhalten.

Fast überall verschlechtern sich die Zustände. Das System leidet unter Stromausfällen, dem Zusammenbruch des Transportsystems und der Telefonverbindungen, Bombenanschlägen, Attentaten und massenhafter Industriesabotage. Das alles führt zu ständig neuen Unruhen ohne Ende. Die Eingriffseinheiten der Organisation leisten dabei heldenhafte Arbeit, aber ihre Verluste sind hoch. Im Moment ist ihr alleiniges Ziel, den Druck auf das System und die Bevölkerung im allgemeinen aufrechtzuerhalten, indem sie gegen jedes vorhandene Ziel immer wieder ohne Unterlaß losschlagen.

Von den neuen Freiwilligen, die ständig in immer größerer Anzahl durch die Linien des Feindes auf unser Gebiet überwechseln, erhalten wir übereinstimmende Informationen über die Auswirkungen, welche die chaotischen Zustände auf die Menschen haben. Die weißen Liberalen und die Minderheiten schreien hysterisch, die Regierung solle doch "was tun"; die Konservativen jammern händeringend und beklagen die allgemeine "Unverantwortlichkeit"; und der "Durchschnitts-Josef" ist mehr und mehr über alles verärgert, was mit dieser Lage zu tun hat: über uns, das System, die Neger und die verschiedenen Sprecher der Liberalen und Konservativen. Sie möchten nur wieder so schnell wie möglich zur "Normalität" zurückkehren und zu ihrem gewohnten Komfort.

Die Propagandisten des Systems machen eine große Sache aus unserer gewaltsamen Evakuierung der Nichtweißen und unserer Schnelljustiz bei den Rassekriminellen und anderen hiesigen feindlichen und degenerierten Elementen. Doch hat das nicht die gewünschte Wirkung erzielt, außer bei den Liberalen und den Minderheiten. Das Gros der Bevölkerung ist zur Zeit zu sehr mit seinen eigenen Problemen beschäftigt, um auch nur eine Träne für die "Opfer des Rassismus" vergießen zu können.

Die größte Sorge macht uns das nördliche Kalifornien. Dort sind die Dinge völlig außer Kontrolle geraten. General Harding hat die Situation wirklich verpfuscht. Uns geschieht das eigentlich recht, weil wir uns trotz besseren Wissens mit einem Konservativen eingelassen haben. Er, wie auch all die anderen, "standen hinter der Tür" als der Verstand vergeben wurde und bekamen dafür zum Ausgleich eine doppelte Portion Sturheit verabreicht. (Hinweis für den Leser: Turner bezieht sich auf Generalleutnant Arnold Harding, Kommandeur der Travis Luftwaffenbasis, die auf halbem Wege zwischen San Francisco und Sakramento gelegen lag. Die Rolle, die Harding während der Großen Revolution spielte, war, obgleich für uns schädlich, bedeutungsvoll, dauerte aber nur elf Wochen an. Er wurde schließlich von einem Mordkommando der Organisation am 16. September 1993 umgebracht, nachdem einige frühere Versuche fehlgeschlagen waren.)

Wenn sich die Situation im Gebiet San Francisco-Sakramento nicht bald bessert, werden wir möglicherweise in einen Bürgerkrieg mit den Truppen unter Harding verwickelt. Das käme dem System wie gerufen. Das einzige, was Harding bis jetzt richtig gemacht hat, ist der Bruch mit Washington während der ersten Woche unserer Offensive vom 4.Juli, als es klar wurde, daß das System die Situation in Kalifornien nicht mehr im Griff hatte. Auf eigene Initiative erklärte er damals, daß Nordkalifornien unter einer unabhängigen Militärregierung stehe, wobei er es fertigbrachte, daß die meisten Offiziere der dort stationierten militärischen Einheiten sich ihm anschlossen (außer natürlich unseren militärischen Geheimagenten).

Das Revolutionskommando traf ganz einfach eine praktische Entscheidung, indem es General Harding freie Hand ließ, in seinem Gebiet nach seinen Vorstellungen zu operieren, und unsere Leute waren angewiesen worden nichts gegen ihn zu unternehmen. Das ersparte uns beträchtliche Verluste, hatte doch das Militär in Nordkalifornien tatsächlich viel größere Verluste als wir im Süden. Der Grund dafür war daß Harding es versäumt hatte, ausreichend radikale Maßnahmen zu ergreifen um seine Autorität zu festigen und mit dem schwarzen Militärangehörigen fertig zu werden.

Auch mißlang es ihm vollkommen, die Zivilbevölkerung unter seine Kontrolle zu bringen, wiederum deswegen, weil ihm anscheinend die Notwendigkeit für radikale Maßnahmen nicht in den Kopf gehen will. Die Juden und die anderen bolschewistischen Elemente in San Francisco führen ihn dauernd an der Nase herum, und die Mexikaner in Sakramento randalieren bereits mehr oder weniger einen Monat lang in ununterbrochener Folge.

Als im vergangenen Monat eine Delegation von Leuten der Organisation zu ihm ging, um ihm eine gemeinsame Regierung durch die Organisation und das Militär für Nordkalifornien vorzuschlagen, wobei Harding`s Verbänden Verteidigungsangelegenheiten obliegen sollten und der Organisation Zivilangelegenheiten einschließlich der Polizeigewalt, verhaftete Harding die Delegation und weigerte sich, sie wieder freizulassen. Seitdem gibt er idiotische Erlässe heraus, wie etwa zur "Wiederherstellung der Verfassung", "Ausmerzung von Kommunismus und Pornographie", zur Abhaltung von Neuwahlen und für die "Wiedereinführung der republikanischen Regierungsform so wie sie von den Gründungsvätern beabsichtigt war", was das auch immer bedeuten soll.

Unsere radikalen Maßnahmen im Süden hat er als "kommunistisch" angeprangert. Er ist entsetzt darüber, daß wir nicht zumindest eine Art Volksentscheid abgehalten haben, bevor wir die Nichtweißen auswiesen, und daß wir die Juden und Rassekriminellen nicht einzeln vor Gericht gestellt, sondern sie im Schnelljustizverfahren abgeurteilt haben.

Versteht denn der alte Dummkopf nicht, daß sich die amerikanischen Menschen selbst in diesen fürchterlichen Zustand, in dem sie sich jetzt befinden, hineingewählt haben? Versteht er denn nicht, daß sich die Juden auf ganz "ehrliche Weise, gemäß der Konstitution" zu viel angemaßt und das Land unterjocht haben? Versteht er denn nicht, daß das gemeine Volk sich ja schon in Selbstregierung versucht hat, aber vollkommen damit scheiterte?

Wohin, denkt er, könnten Neuwahlen jetzt möglicherweise hinführen, mit dieser vom Fernsehen dressierten Wählergeneration, außer zurück in den gleichen jüdischen Schweinestall? Und wie, glaubt er, hätten wir unsere Probleme hier unten lösen können, ohne die von uns getroffenen radikalen Maßnahmen?

Versteht denn Harding nicht, daß sich das Chaos in seinem Gebiet ständig vergrößern wird, bis er die für dieses Chaos verantwortlichen Leute identifiziert und sie mit aller Entschiedenheit behandelt hat, und daß es für ihn, wenn man die Zahlenverhältnisse in Betracht zieht, absolut unmöglich ist, mit den Juden, den Schwarzen, den Mexikanern und anderen schwierigen Elementen in individueller Weise zu verfahren?

Offensichtlich nicht, denn der Idiot ruft immer noch "verantwortungsvolle" Führer der Schwarzen und "patriotische" Juden dazu auf, ihm bei der Wiederherstellung der Ordnung zu helfen. Harding, wie Konservative im allgemeinen, kann sich nicht dazu durchringen, gerade das zu machen, was getan werden muß, weil das für ihn bedeuten würde, die "Unschuldigen" und gleichzeitig die "Schuldigen", die "guten" Neger und die "loyalen" Juden, und alle übrigen unterschiedslos zu bestrafen -- als wenn solche Begriffe in den gegenwärtigen Zusammenhängen irgendwelche Bedeutung hätten. Folglich stolpert er hilflos herum aus Angst, er könnte Einzelpersonen "ungerecht" behandeln, während zur gleichen Zeit alles zum Teufel geht und die Zivilisten in seinem Gebiet durch Verhungern wie Fliegen sterben. Generale sollten aus härterem Holz geschnitzt sein.

Den enormen Vorteil, den uns die Situation im Norden brachte, war die Flut weißer Flüchtlinge. In den letzten zwei Wochen sind, um der Anarchie rund um San Francisco zu entgehen, mehr Menschen in unser Gebiet gekommen, als aus dem übrigen Land durch die Linien des Systems schlüpften.

So haben wir, interessanterweise, bis auf weiteres tatsächlich gleichzeitig drei verschiedene Arten sozialer Ordnung vor uns: im Norden ein konservatives Regime; im Osten liberale jüdische Demokratie; und hier den Anfang einer gänzlich neuen Welt, die sich aus den Ruinen der alten erhebt.

23. August: Morgen werde ich mich wieder nach Washington begeben. Ich bin seit vier Tagen in Vandenberg, um zu erlernen, wie man mit nuklearen Sprengköpfen umgeht. Mir wurde die Führung einer Gruppe übertragen, die vier 60-Kilotonnen Sprengköpfe im Handtransport nach Washington bringen soll, um sie dort an Schlüsselpositionen rund um die Hauptstadt versteckt in Stellung zu bringen.

Ungefähr fünfzig andere Männer alles Mitglieder der Organisation wurden mit mir zusammen ausgebildet, und jeder von ihnen hat eine ähnliche Mission als Führer einer Gruppe zu erfüllen. Das heißt, im ersten Zuge müssen im ganzen 200 Sprengköpfe landesweit verteilt werden; weitere werden später folgen.

Alle Sprengköpfe sind völlig gleich. Sie wurden aus einem Waffenarsenal von 240 MM Artilleriegeschossen, das unsere Leute hier entdeckten, herausgeholt. Sie wurden leicht umgebaut, damit sie durch verschlüsselte Funksignale zur Explosion gebracht werden können. Sie sind unsere Rückversicherung für den Fall, daß wir hier unsere Raketenabschusseinrichtung verlieren.

Die gegenwärtige Mission ist die gefährlichste, für die ich jemals ausersehen wurde. Es wird sehr viel schwieriger sein als das Hochjagen des FBI-Hauptquartiers vor zwei Jahren. Zu fünft müssen wir uns 3500 Meilen im Feindesland durchschlagen ohne erwischt zu werden, und vier Nuklearbomben, die zusammen etwas mehr als 500 Pfund wiegen, mittragen. Dann müssen wir sie auf Plätze schmuggeln die schwer bewacht sind, und sie so verstecken, daß nur eine verschwindend geringe Gefahr besteht daß sie jemand findet.

Nicht nur wegen der damit verbundenen Gefahren -- jedesmal wenn ich nur daran denke, bekomme ich Bauchkneifen -- habe ich ziemlich gemischte Gefühle hinsichtlich dieser Mission. Einerseits möchte ich Kalifornien nur ungern verlassen. Hier ein Beteiligter an der Geburt unserer neuen Gesellschaft zu sein, ist für mich besonders beflügelnd und bedeutet mir sehr viel, und unsere Arbeit fängt doch jetzt erst an. Jeden Tag werden neue Projekte in Angriff genommen, und ich möchte daran teilnehmen. Wir legen hier den Grundstock für die neue Gesellschaftsordnung, welche die Zukunft unserer Rasse für die nächsten tausend Jahre sichern soll.

Außerdem ist die Möglichkeit, in einer geistig normalen und gesunden Welt des weißen Mannes zu leben, für mich von unschätzbarem Wert. Diese letzten Wochen sind wunderbar gewesen. Es ist schrecklich deprimierend, wenn ich daran denke, daß ich diese weiße Oase verlassen muß und noch einmal in diese Jauchegrube voller Schwarzen, Juden und verkommenen, geistig verdrehten weißen Liberalen dort draußen stürze.

Andererseits ist es schon mehr als drei Monate her, daß ich Katherine nicht gesehen habe, und es kommt mir wie ein Jahr vor. Meine Begeisterung über das hier Erreichte ist leider dadurch gedämpft worden, daß es für Katherine nicht möglich war, die Freude über die Erfolge mit mir zu teilen. Und nun, durch die veränderte Lage, lebt sie und die anderen in Washington in viel schwierigeren Umständen und größerer Gefahr als wir hier in Kalifornien. Dieses Bewußtsein erweckt in mir mit jedem Tag, den ich länger hier bleibe, größere Schuldgefühle.

Jedoch mein stärkstes Gefühl ist das der Pflicht. Ich bin zugleich stolz und überwältigt davon, daß man mich mit einer solch wichtigen und schwierigen Aufgabe betraut hat, obgleich ich bis jetzt immer noch ein Mitglied auf Probe im Orden bin. Ich muß alles daransetzen, alle anderen Gedanken und Gefühle beiseite zu schieben bis unsere Aufgabe erfolgreich abgeschlossen ist.

Während der letzten vier Tage wurde ich nicht nur über Aufbau und Funktion der Sprengköpfe unterrichtet -- das Gebiet, für das ich schließlich verantwortlich sein werde -- sondern auch darüber, weswegen dieser Auftrag so überlebenswichtig ist. Das war für mich eine Lehrstunde in Strategie, die sehr ernüchternd auf mich wirkte.

Die Leute beim Revolutionskommando, deren Augen fest auf unser langfristiges Ziel gerichtet sind, nämlich den totalen Sieg über das System zu erringen, haben sich nicht durch unsere Erfolge in Kalifornien und die gegenwärtigen Schwierigkeiten, denen sich das System überall gegenübersieht, täuschen lassen. Die harten Tatsachen sind die:

Erstens: das System ist außerhalb Kaliforniens im wesentlichen intakt geblieben, und die zahlenmäßige Ungleichheit zwischen den militärischen Kräften des Systems und unseren ist noch ungünstiger als vor dem 4.Juli. Der Grund liegt darin, daß wir unsere Kräfte überall im Land rücksichtslos eingesetzt haben, um das System solange in Schach zu halten wie wir Zeit zur Konsolidierung unserer hiesigen Erfolge brauchten.

Zweitens: trotz der hier unter unserer Kontrolle stehenden militärischen Kräfte wird das System immer noch in der Lage sein, uns mit Leichtigkeit in Grund und Boden zu hämmern, sobald es die gegenwärtigen Probleme beim Militär hinsichtlich der Moral wieder etwas in Ordnung gebracht hat. Der eigentliche Grund dafür, daß wir sie uns so lang vom Hals halten konnten, ist unsere Androhung eines nuklearen Vergeltungsangriffs auf New York und Tel Aviv.

Drittens: unsere nukleare Drohung ist in ernster Gefahr, unwirksam zu werden. Das System ist in der Lage, einen überraschenden Erstschlag gegen uns führen zu können, mit der großen Wahrscheinlichkeit, alle unsere fest stationierten Abschußsilos außer Gefecht zu setzen bevor wir unsere Raketen abschießen können. Wie aus Geheimdienstquellen des Revolutionskommandos hervorgeht ist ein solcher Überraschungsschlag in der Tat geplant. Das System hält sich damit nur solange zurück, bis es mit einer dringend notwendigen militärischen Umorganisation fertig ist, die ihm das nötige Vertrauen in die politische Verläßlichkeit der U.S. Armee verschaffen soll. Es will nach der Zerstörung unseres Nuklearpotential sofort mit einer massiven Invasion nachziehen und rechnet damit, uns in ein oder zwei Tagen zu erledigen.

Schlimmer noch, das System hat einen Ausweichplan, der die nukleare Vernichtung von ganz Südkalifornien ins Auge faßt. Es wird diesen Plan zur Ausführung bringen, wenn es ihm in den nächsten zwei Wochen nicht gelingt, vollkommenes Vertrauen in seiner Landstreitkräfte zu gewinnen.

Wir kennen immer noch nicht den genauen Zeitplan des Systems, aber wir haben Berichte, denen zufolge mehr als 25000 der reichsten und einflußreichsten Juden ihre Sachen ins Geheim gepackt und die New Yorker Region in den letzen zehn Tagen verlassen haben, wobei die meisten nur eine bescheidene Menge Gepäck mit sich führten, ausreichend etwa für einen "Urlaub" von zwei oder drei Wochen.

So ist unsere ganze Strategie gegen das System fraglich geworden. Wenn wir den Feind durch die Drohung mit einem Atomschlag für eine unbegrenzte Zeit, oder wenigsten für ein oder zwei Jahre, zurückhalten könnten, wäre es uns möglich ihn schließlich niederzuschlagen. Mit Kalifornien als Ausbildungs- und Nachschubsbasis und mit mehr als fünf Millionen Weißen, aus denen man rekrutieren kann, könnten wir unseren Kleinkrieg in den übrigen Landesteilen ständig erweitern. Aber ohne Kalifornien ist uns das unmöglich und das System weiß das.

Wir müssen also, und zwar sofort, eine große Zahl von Nuklearwaffen überall außerhalb Kaliforniens verstreut in Stellung bringen. Wir werden dann wenigstens eine davon zünden, um das System davon zu überzeugen daß es nun einer neuen Lage gegenübersteht. Wenn das System dann Kalifornien angreift, sind wir gezwungen, sofort und zugleich alle oder die meisten unserer über das ganze Land verstreuten Atomwaffen zu zünden, um mit diesem gewaltigen Schlage die Kraft des Systems zu organisiertem Widerstand zu zerstören.

Unglücklicherweise wäre ein großer Teil der weißen Bevölkerung zum Untergang verdammt, wenn wir zu dieser äußersten Unternehmung gezwungen würden. Das Land wäre dann auch der Gefahr des Einströmens fremder Völker ausgesetzt. Eine wahrhaft düstere Aussicht.



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