27. Juni 1993: So, jetzt habe ich endlich meine Anweisungen bekommen. Ich werde also während der großen Sommeroffensive in Kalifornien sein. Zuerst war ich sehr enttäuscht daß ich nicht nach Washington zurückkehren kann, aber je mehr ich an das was mir heute nachmittag bekannt wurde denke, desto mehr bin ich davon überzeugt daß der Mittelpunkt unserer Aktivitäten in den nächsten Wochen an der Westküste liegen wird. Es sieht so aus daß ich dort in allem mittendrin sein werde und das wird zumindest eine willkommene Abwechslung zu all der Klassenzimmertätigkeit sein.
Die Denver Feldkommandantur zitierte mich und sechs meiner Schüler heute innerhalb von zwei Stunden zu einer Besprechung. Uns wurde fast nichts weiteres bekanntgegeben als daß ich und vier andere spätestens am Mittwoch Abend in Los Angeles zu sein haben. Den übrigen zwei wurde ein Bestimmungsort in San Mateo in der Nähe von San Francisco angewiesen.
Ich protestierte sofort heftigst: "All diese Leute wurden ganz speziell geschult um bestimmte Ziele in diesem Gebiet anzugreifen. Und sie wurden als Mannschaften geschult. Es ist ein Unsinn, sie jetzt aufzuteilen und einige nach Kalifornien zu schicken, wo sie hier viel wirkungsvoller eingesetzt werden können. Wenn sie von hier weggeschickt werden, dann steht unser ganzer Plan für das Rocky Mountain Gebiet auf dem Spiel."
Die zwei Offiziere von der Denver Feldkommandantur, die bei der Besprechung anwesend waren, versicherten mir, daß ihre Entscheidung bestimmt nicht willkürlich getroffen worden sei. Sie seien sich auch der Stichhaltigkeit meiner Einwände bewußt, aber es gab ausschlaggebende Umstände die jetzt schwerer wögen. Schließlich mußten sie mir gegenüber gezwungenermaßen zugeben daß sie den dringenden Befehl vom Revolutionskommando erhalten hatten, um jeden Aktivisten den sie abzwacken könnten sofort an die Westküste zu verlegen. Anscheinend haben andere Feldkommandanturen im ganzen Land gleiche Befehle erhalten.
Mehr wollten sie nicht sagen. Aber im Hinblick auf den von ihnen mit Nachdruck bestimmten Zeitpunkt an dem wir uns am Bestimmungsort in Kalifornien zu melden haben, vermute ich sehr stark daß geplant ist, irgendwann in nächster Woche loszuschlagen.
Etwas habe ich heute nachmittag erreicht: Aufgrund meiner Vorschläge wird Albert Mason, der nach San Mateo gehen sollte aber dessen Anwesenheit hier für den Erfolg der geplanten Operationen in dieser Gegend entscheidend ist, mit einem anderen Mann ausgewechselt. Aber ich hatte manche Schwierigkeiten dieses Zugeständnis zu erreichen. Ich bestand darauf, genau zu wissen welche Kriterien bei der Auswahl der zu verlegenden Männer zugrunde gelegt wurden. Es stellte sich heraus daß es außer in meinem Fall zwei waren: Infanteriekampf- und Scharfschützenerfahrung. D.h. es sieht so aus, daß sie eher Heckenschützen und Barrikadenkämpfer draußen an der Küste haben wollen als Saboteure und Demolierungsexperten.
Es stimmt schon, daß Al sich, als er bei der Armee war, als "Gewehrexperte" qualifizierte, und zudem hat er drei Jahre als Truppenführer in Südostasien gedient. (Hinweis für den Leser: Turner spricht vom sogenannten "Vietnamkrieg," welcher damals schon vor zwei Jahrzehnten zu Ende gegangen war, aber dessen Lehren eine enorm wichtige Rolle als Grundlage für die späteren Erfolge spielten, als wir es mit der Armee des Systems zu tun bekamen.) Aber Albert Mason war auch mein bester Schüler hier. Er war der einzige Mann mit dem ich mich persönlich einige Zeit beschäftigte, um ihm einige der neueren militärischen Vorrichtungen zu erklären, von denen wir annehmen können daß sie bei unseren Überfällen auf Waffendepots hier in der Gegend in unseren Besitz fallen werden. Ich bin sicher daß Al der einzige ist, der z.B. in der Lage sein wird die neuen M-58 Laserentfernungsmesser zu bedienen, und auch unsere Granatwerfermannschaften in ihren Gebrauch einzuweisen. Er ist auch der einzige hier dem ich soviel Grundkenntnisse in Elektronik beigebracht habe daß er fähig ist die funkgesteuerten Sprengkapseln zusammenbauen, die ein äußerst wichtiger Teil unseres Planes zur Zerstörung des Autobahnnetzes in diesem Raum sind, und für seine dauernde unbenutzbarkeit sorgen sollen.
Erst als ich die Feldkommandantur von Denver auf diese Dinge hinwies, hat sie zugestimmt daß Al hierbleiben kann. Danach brachten wir eine halbe Stunde damit zu, die Listen der hiesigen Aktivisten durchzugehen, bevor wir einen herausfanden der meiner Meinung nach an Stelle Als nach Kalifornien gehen könnte ohne die Dinge hier aufs Spiel zu setzen, und der aber auch den Anforderungen derer in Kalifornien entsprechen würde.
Mein Eindruck ist daß alles was wir für diesen Raum planten noch immer aktuell ist, und man es immer noch für wichtig ansieht unsere Pläne hier zur Ausführung zu bringen, aber daß der Hauptschauplatz der Operationen an der Westküste sein wird. Mit diesen Überstellungen in letzer Minute wird unsere Mannschaftsstärke dort ungefähr verdoppelt, aber wir machen das auf solche Art und Weise daß zumindest die meisten der Operationen, die für andere Gebiete geplant sind, trotzdem durchgeführt werden können, wenn auch mit weniger Personal.
Nun gut, es bleiben uns noch 48 Stunden um mehr als 1.600 Km zu fahren, und man kann nicht voraussehen an wievielen Kontrollpunkten wir angehalten werden. Die anderen werden in etwa zwei Stunden vorbeikommen um mich abzuholen. Danach werde ich mindestens vier Stunden brauchen um meine Geräte so zu verstauen daß sie, wenn man uns durchsucht, nicht gefunden werden. Ich glaube, jetzt nehme ich noch schnell eine Mütze voll Schlaf.
1. Juli: Verdammt! Die Lage ist vielleicht gespannt hier! Wir kamen gestern um etwa 1 Uhr nachts an, nach einer Fahrt die ich lieber so schnell wie möglich aus meinem Gedächtnis streichen möchte. Die anderen sind auf die ihnen zugewiesenen Einheiten verteilt worden, aber ich bleibe vorübergehend bei der nordwestlichen Feldkommandantur von Los Angeles, die in einem Ort der Canoga Park heißt gelegen ist, ungefähr 30 km nordwestlich von Los Angeles selbst.
Es ist offensichtlich daß die Organisation sich hier viel stärker festgesetzt hat als sonst wo, was daran zu erkennen ist daß es in Groß-Los Angeles acht verschiedene Feldkommandanturen gibt, während in den meisten anderen größeren Städten eine genügt. Das läßt hier auf eine Untergrund-Mitgliederschaft in der Größenordnung von 500 bis 700 Leuten schließen.
Seit ich hier ankam habe ich den größten Teil meiner Zeit damit verbracht, Schlaf nachzuholen, aber die anderen Leute hier scheinen überhaupt nicht zu schlafen. Ständig kommen und gehen Kuriere, und rund um die Uhr werden Besprechungen abgehalten. Heute abend habe ich endlich jemand zu fassen gekriegt der mir zumindest Teilinformationen über die hiesigen Verhältnisse zukommen ließ.
Für nächsten Montag, den 4. Juli, sind gleichzeitige Anschläge auf 600 verschiedene militärische und zivile Ziele im ganzen Land geplant. Jedoch wurde am Mittwoch, wenige Stunden vor unserer Ankunft, unglücklicherweise einer der hiesigen Mitglieder von der Polizei geschnappt. Es scheint nur ein reiner Zufall gewesen zu sein. Er wurde auf der Straße bei einer normalen Ausweiskontrolle angehalten, da den Polizisten anscheinend irgend etwas verdächtig vorkam.
Da der Mann nicht dem Orden angehört war er weder dazu ausgestattet, noch überhaupt verpflichtet, sich bei einer Festnahme selbst zu töten. Unsere große Sorge während der letzten zwei Tage war, daß er bei einer Folterung soviel von dem was er weiß preisgeben könnte, daß das System einen Hinweis auf den für Montag geplanten Großanschlag bekommt. Dann werden die Behörden, obgleich sie nicht wissen welche Ziele wir anzugreifen geplant haben, die Sicherheitsvorkehrungen überall so weit verschärfen daß die Anzahl unserer Opfer unerträglich hoch sein wird.
Das Revolutionskommando hat zwei Möglichkeiten: entweder unseren Mann zum schweigen zu bringen bevor er vernommen werden kann, oder die ganze Offensive zeitlich neu festzulegen. Die letztere Möglichkeit ist fast undenkbar. Viel zu viele Dinge wurden für nächsten Montag aufs sorgfältigste vorbereitet und in Einzelheiten aufeinander abgestimmt, was keine Vorverlegung zuläßt. Ein Aufschub könnte aber eine Verzögerung für Monate bedeuten, verbunden mit den großen Gefahren daß zu viel Leute, die bereits auf Montag vorbereitet wurden, viel zu viel für eine so lange Zeit wissen.
So wurde nun gestern entschieden unseren Mann zu beseitigen. Aber sogar dies stellte uns vor ein Riesenproblem: wir können unseren Mann hier in Los Angeles nicht überfallen ohne die Enttarnung eines unserer wertvollsten "Legalen" zu riskieren, der ein Sonderagent bei der FBI-Zweigstelle von Los Angeles ist. Und zwar deswegen, weil der Gefangene an einem Ort festgehalten wird der eigentlich sehr geheim ist. Wenn wir den Laden überfallen, geraten nur ein halbes Dutzend Leute in Verdacht. Einer von ihnen müßte uns die Information zugespielt haben.
Wenn das System einen von unseren Leuten festnimmt wird gewohnheitsmäßig nur ein sehr oberflächliches Verhör vor Ort durchgeführt, gerade genug um festzustellen ob der Verdacht besteht, daß der Gefangene in irgend einer Weise etwas mit der Organisation zu tun hat. Wenn es so ist, wird er nach Washington geflogen um von den dort bereitstehenden israelischen Folterspezialisten in die Mangel genommen zu werden. Und daß das letztere geschieht können wir uns nicht erlauben.
Das Unbegreifliche in diesem speziellen Fall, und auch der Grund dafür daß das Revolutionskommando schon seit zwei Tagen in einem qualvollen Zustand der Unentschlossenheit verharrt, besteht darin daß das FBI den Gefangenen hier zurückbehält und ihn nicht schon am Donnerstag morgen ins Hauptquartier nach Washington geflogen hat, was man doch getan hätte beim Verdacht, ein Mitglied der Organisation vor sich zu haben. Niemand scheint genau zu wissen warum, nicht einmal unser "Legaler" beim FBI. Handelt es nur um einen Fall von organisatorischer Fehlleistung? Oder bringen sie vielleicht diesmal eine Verhörmannschaft aus Washington hier her, im Gegensatz zu ihrer früheren Gewohnheit?
Wie auch immer, das Revolutionskommando entschied sich mit dem Angriff zu warten und erst einmal zu sehen, was passiert. Wenn das FBI nichts unternimmt, entweder um den Gefangenen mit dem Flugzeug nach Washington zu bringen oder ihn hier innerhalb der nächsten 36 Stunden zu verhören, dann wird das Problem gelöst sein. Dann wird jede Information, die das System aus ihm herausholt, für die Durchkreuzung unserer Pläne am Montag zu spät kommen. Aber wenn eine Überstellung oder ein Verhör vor Sonntagnachmittag bevorzustehen scheint, sind wir gewillt einen blitzartigen Überfall auf das hiesige geheime FBI-Gefängnis durchzuführen, selbst auf die Gefahr hin daß wir unseren Mann in der örtlichen FBI-Dienststelle verlieren. Dabei wären dessen Informationen in den kommenden Monaten für uns von unschätzbarem Wert.
Was mich betrifft, so weiß ich noch immer nicht warum ich hier bin oder was ich hier tun soll, und vermutlich weiß das auch sonst niemand. Mir wurde nur gesagt daß ich zu warten hätte.
Nun, ich glaube daß wirklich wieder eine Riesenprüfung auf uns zukommt, so wie im September 1991. Es scheint mir fast unglaublich daß die Organisation einen allumfassenden Angriff auf das System in zwei Tagen durchführen will. Die gesamte Anzahl Männer, die wir in die Frontlinie bringen können, kann nicht mehr als 1.500 im ganzen Land sein, trotz der sehr zahlreichen Zugänge in den letzten Monaten. Alles zusammen, einschließlich unseres Hilfspersonals, unserer weiblichen Mitglieder und unserer "Legalen", kann unsere Stärke unmöglich 5.000 Leute überschreiten, und ich schätze daß fast ein Drittel von allen jetzt hier in Kalifornien konzentriert ist. Es scheint fast unglaublich, so, als ob eine Mücke einen Elefanten zu ermorden plant!
Natürlich erwarten wir nicht daß das System am Montag zusammenbrechen wird. Selbst wenn uns das möglich wäre, wüßten wir nicht wie wir mit der Situation fertig werden könnten. Die Organisation ist ja immer noch viel zu klein um die Verwaltung des Landes zu übernehmen und die amerikanische Gesellschaft umzugestalten. Was wir brauchen ist eine Infrastruktur, die hundertmal so groß ist wie wir sie jetzt haben, um auch nur mit der Arbeit anfangen zu können.
Was wir am Montag tun werden, ist, den Konflikt auf eine neue Ebene auszuweiten und damit der neuen Strategie des Systems, uns bald zu erledigen, zuvorzukommen. In der Sache haben wir wirklich keine andere Möglichkeit: Wenn die Organisation überleben und unter diesen uns auferlegten sehr schwierigen Umständen weiter wachsen soll, müssen wir unseren Schwung aufrechterhalten, besonders unseren psychologischen Antrieb.
Die Gefahr besteht, wenn wir nicht dauernd den Krieg ausweiten, daß das System sein Gleichgewicht wieder findet und die Öffentlichkeit sich an alles gewöhnen wird. Die einzige Möglichkeit den gegenwärtigen Zustrom von Rekruten zu erhalten, besteht darin einen erheblichen Teil der Bevölkerung in Unruhe zu halten, und sie mindestens halb in der Überzeugung zu lassen daß das System nicht stark und schlagkräftig genug ist um uns auszulöschen, also daß wir eine unaufhaltsam näherkommende Macht sind und früher oder später der Krieg auch sie überrollen wird.
Andernfalls werden diese nichtswürdigen Bastarde den leichteren Ausweg suchen, und nur abwarten was passiert. Die amerikanischen Menschen haben bereits bewiesen daß sie schamlos ihrer strohdummen Jagd nach Vergnügen nachgehen können, und das unter den herausforderndsten Bedingungen die man sich nur vorstellen kann, solange die neuen Herausforderungen so allmählich eingeführt werden daß man sich daran gewöhnen kann. Deshalb: Nicht aktiv zu sein ist die größte Gefahr für uns.
Außerdem zieht die politische Polizei dauernd die Schrauben an. Trotz unserer außergewöhnlichen Sicherheitsmaßnahmen wird es ihnen schließlich gelingen die Organisation zu unterwandern und uns zu zerstören, wenn wir ihnen die Zeit dazu lassen. Es wird immer schwieriger für uns, unterwegs zu sein ohne geschnappt zu werden. Sehr bald wird jetzt das neue interne Paßsystem, das wir vor mehr als einem Jahr zerstört haben, wieder einsatzfähig sein, und noch einmal so heimtückisch wie zuvor. Ich weiß nicht wie wir das überleben werden, wenn es in Betrieb genommen wird.
Wenn ich an die letzten Jahre zurück denke, ist es überhaupt erstaunlich daß wir bis jetzt überlebt haben. Hundertmal wußte ich nicht wie wir es schaffen könnten, nur einen weiteren Monat durchzuhalten.
Der Grund daß wir heute noch da sind, liegt teilweise an etwas, das wir uns nicht als Verdienst zurechnen können, und das ist die Unfähigkeit des Systems. Sie haben einige schwere Fehler gemacht und es versäumt, vielen Dingen nachzugehen die uns schwer geschadet haben könnten.
Man gewinnt den Eindruck daß außer den Juden, die wirklich in ihren Anstrengungen gegen uns sich "jede Nacht um die Ohren schlagen", der Rest des System dagegen sich benimmt "wie ein ungeduldig auf Arbeitsschluß wartender Haufen." Dank auch der "Chancengleichheit" und all der Neger beim FBI und ebenso in der Armee! Das System ist ja so korrupt und bastardisiert worden, daß sich nur die Juden darin Zuhause fühlen und sonst keiner ihm gegenüber Loyalität verspürt.
Aber zum größeren Teil liegen die Gründe für unser Überleben in der Art und Weise, wie wir uns unseren eigenartigen Lebensumständen angepaßt haben. In nur zwei Jahren haben wir uns eine totale neue Form der Existenz angeeignet. Es wurden jetzt mehrere Neuerungen eingeführt die absolut notwendig für unser Überleben sind, aber an die wir noch vor zwei Jahren kaum gedacht haben.
Z.B. unsere Verhörmethoden bei der Überprüfung von neuen Rekruten. Ohne Frage wären wir ohne sie nicht solange durchgekommen. Entwickelt haben wir sie aber erst als sie absolut notwendig für uns geworden waren. Was wir ohne Dr. Clark, der die Methode ausgearbeitet hat, getan hätten weiß ich nicht.
Und da ist dann die Sache mit den falschen Identitäten. Wir hatten, als wir damals in den Untergrund gingen, nur ganz vage Ideen wie wir mit diesem Problem fertig werden könnten. Jetzt haben wir mehrere Spezialeinheiten, die sonst nichts tun als unsere Aktivisten mit fast absolut sicheren falschen Dokumenten zu versorgen. Das sind wirkliche Professionelle, die dazu ihren ziemlich anrüchigen Beruf in aller Eile erlernen mußten.
Und Geld, was war das für ein Problem am Anfang. Dadurch, daß wir unsere Pfennige umdrehen mußten, wurde unsere ganze Psyche beeinflußt. Deswegen haben wir zuerst nur im engen Rahmen gedacht. Soweit ich weiß, hat sich damals keiner in der Organisation ernste Gedanken um das Problem gemacht wie eine Untergrundbewegung zu finanzieren ist, bis es dann zu entscheidender Wichtigkeit für uns wurde. Erst dann haben wir die Kunst der Herstellung von Falschgeld erlernt.
Natürlich war es ein Glück, daß wir jemanden in der Organisation mit den notwendigen technischen Kenntnissen hatten. Aber nach dem Drucken der falschen Scheine mußten wir erst noch unser Verteilernetz aufbauen um sie unter die Leute zu bringen.
Gerade in den letzten paar Monaten hat diese Neuerung eine enorme Verbesserung für uns alle gebracht. Einen immer vorhandenen Vorrat an Bargeld zur Verfügung zu haben, in der Lage zu sein, was auch immer zu kaufen. Die Möglichkeit, kaufen zu können was wir benötigen, statt es gewaltsam besorgen zu müssen wie in früheren Tagen, hat alles viel einfacher gemacht. Wir haben nun größere Bewegungsfreiheit und auch Sicherheit.
Unserem Erfolg lag bis jetzt eine gewisses Element des Glücks zugrunde, aber ebenso hat das Revolutionskommando unzweifelhaft ziemlich gute Führungsarbeit geleistet. Wir hatten eine gute Planung und Strategie, aber darüber hinaus haben wir gezeigt daß wir die Fähigkeit haben, mit neuen Herausforderungen fertig zu werden und neue Probleme zu lösen. Wir sind dabei immer beweglich geblieben.
Ich glaube, die Geschichte der Organisation beweist daß niemand einen festen Plan für eine Revolution machen kann, ohne jemals davon abzuweichen. Die Zukunft ist immer viel zu ungewiß. Man kann niemals sicher sein, wie sich eine bestimmte Situation entwickeln wird. Und immer wieder passieren völlig unerwartete Dinge, die kein noch so gründlich arbeitender Planer hätte voraussehen können. So muß jeder Revolutionär, der erfolgreich sein will, immer darauf vorbereitet sein, sich neuen Umständen anzupassen und die Vorteile sich neu bietender Gelegenheiten auszunützen.
Was das betrifft wirken unsere bisherigen Leistungen beruhigend, aber ich komme nicht umhin wegen nächster Woche ein ungutes Gefühl zu haben. Ich bin überzeugt davon, daß wir den Bastarden am Montag die Hölle heiß machen werden. Wir werden einen ziemlich großen "Schraubenschlüssel in die Maschine der Wirtschaft" des Landes werfen, wenn nur die Hälfte der Dinge, die wir geplant haben, erfolgreich abläuft. Wir werden das System in einen Zustand totaler Mobilisation zwingen, mit dem daraus resultierenden psychologischen Schock bei der allgemeinen Öffentlichkeit.
Aber was kommt danach? Was bringt der nächste und übernächste Monat? Wir werfen nächste Woche alles, was wir haben, in die Offensive, aber es besteht eben keine Möglichkeit dieses Niveau an Aktivitäten für mehr als zwei Tage aufrecht zu halten. Unsere Linien sind viel zu weit auseinander gezogen.
Und dennoch sagt mir mein Instinkt daß die Organisation jetzt nicht rein aus Verzweiflung handelt. Es wird am Montag nicht unser letzter verzweifelter Versuch sein, das System zu zerstören. Zumindest erhoffe ich mir das. Wenn wir in eine totale Auseinandersetzung gehen, und uns dann aber zurückziehen müssen wenn sie fehl schlägt, was sicherlich möglich ist, wird der psychologische Effekt auf uns ebenso tödlich wirken wie er für das System nützlich sein wird.
Daher muß das Revolutionskommando irgendwas im Sinn haben, von dem ich keine Ahnung habe. Ich bin sicher daß die starke Zusammenziehung unserer Leute in Kalifornien ein Anhaltspunkt dazu ist, werde aber trotzdem nicht schlau daraus.
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