Die Turner-Tagebücher

Kapitel 18


23. Mai 1993: Das ist mein letzter Abend in Dallas. Ich war jetzt zwei Wochen hier und hoffte morgen nach Washington zurückkehren zu können, aber heute Nachmittag kam die Anweisung, daß ich mich statt dessen nach Denver zu begeben hätte. Es sieht so aus, als wenn ich dort etwa das Gleiche tun werde wie hier, nämlich ausbilden.

Ich bin hier gerade mit der Durchführung eines Intensivkurses in Sabotagetechnik für acht ausgewählte Aktivisten fertig geworden, und meine damit wirklich "Intensiv"; seit ich hier ankam, ist das die erste freie Stunde, in der ich nicht zu müde bin, um nachzudenken. Wir waren jeden Tag von 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends eingespannt, mit nur ein paar Minuten Unterbrechung für die Mahlzeiten.

Ich habe den Leuten hier so gut wie alle meine Kenntnisse vermittelt. Zuerst beschäftigten wir uns damit, wie man auf improvisierende Art und Weise Sprengkapseln, Zeitschalter, Zünder und anderes technisches Gerät von Grund auf anfertigen kann. Dann studierten wir den Aufbau, die Eigenschaften und die Leistungsmerkmale von derzeitig erhältlichem militärischem Gerät, welches für die verschiedensten Zwecke umgebaut werden kann. Alle meine Schüler können jetzt jeden Typ Zünder und zeitverzögernde Vorrichtungen mit verbundenen Augen auseinandernehmen und wieder zusammenbauen.

Danach befaßten wir uns mit einer großen Anzahl von hypothetischen Zielen und erarbeiteten uns detaillierte Pläne für Anschläge auf diese Ziele aus. Wir zogen Reservoirs, Ölleitungen, Treibstoffdepots, Eisenbahnlinien, Flughäfen und Flugzeuge, Telefonvermittlungszentralen, Ölraffinerien, Hochspannungsleitungen, Elektrizitätswerke, Autobahnkreuze, Getreidesilos, Lagerhäuser, verschiedene Typen von Maschinen und anderes Produktionsgerät in Betracht.

Zum Schluß suchten wir uns ein erstes echtes Ziel aus und zerstörten es: das Hauptfernmeldeamt von Dallas. Das war gestern. Heute haben wir den Einsatz analysiert und einer detaillierten kritischen Betrachtung unterzogen.

Eigentlich ist alles außergewöhnlich gut verlaufen; alle meine Schüler haben ihr Abschlußexamen glänzend bestanden. Aber ich hatte auch alles nur mögliche getan, damit keine Schnitzer gemacht wurden. Wir haben ganze drei Tage damit verbracht um uns speziell für das Fernmeldeamt vorzubereiten.

Zuerst holten wir jede Menge Auskünfte aus einer unserer hier ansässigen Frauen heraus, die vorher einmal im Gebäude als Telefonistin gearbeitet hat. Sie beschrieb uns, wie in jedem Stockwerk die Räume angeordnet waren und wo sich ungefähr die automatischen Vermittlungsanlagen befanden. Mit ihrer Hilfe erstellten wir eine grobe Skizze, welche die Treppenaufgänge, die Eingänge für Angestellte, den Wachraum und andere Dinge von Belange zeigt.

Dann bereiteten wir unsere Ausrüstung vor. Ich entschied, daß wir bei dieser Aufgabe eher mit chirurgischer Präzision als mit roher Gewalt vorgehen werden; nebenbei gesagt, hatten wir auch keine genügend große Menge Sprengstoff für Demolierungen mit roher Gewalt. Was wir jedoch hatten waren drei 150 Meter Rollen mit Pentrit gefüllter Zündschnur und etwas über 20 Pfund Dynamit.

Ich teilte die acht Aktivisten in vier Zweimanngruppen ein. Ein Mann je Gruppe war mit einem abgesägten, automatisch ladenden Schrotgewehr bewaffnet, und der andere trug ein Abbruchgerät mit sich. Je eine Gruppe wurde den drei Stockwerken mit den Vermittlungsanlagen zugeteilt. Jede dieser Gruppen bekam eine der Rollen mit Zündschnur, einen 20-Liter-Kanister mit der selbstgemachten Napalm-ähnlichen Mischung aus Benzin und Flüssigseife, und eine zeitverzögernde Sprengkapsel. Die vierte Gruppe bekam eine geballte Ladung von 20 Pfund Dynamit und eine selbstgemachte Thermitgranate und wurde dem Transformatorenraum im Keller zugeteilt. Das Dynamit wird die Transformatoren zerstören und das Thermit das Transformatorenöl in Brand setzen.

Ungefähr um zehn Uhr gestern Abend parkten wir mit zwei Autos zwei Häuserblocks vom Fernmeldeamt entfernt in einer dunklen Seitenstraße. Alle paar Minuten fuhr ein Servicewagen der Telefongesellschaft über die Kreuzung, welche direkt vor uns lag.

Endlich trat die Situation ein, auf die wir gewartet hatten: ein Servicewagen mußte an der Kreuzung wegen der auf rot geschalteten Ampel anhalten, andere Fahrzeuge oder Fußgänger waren nicht in Sicht. Wir fuhren mit Vollgas aus der Seitenstraße heraus und blockierten den Servicewagen vorn und hinten, während zwei unserer Männer gleichzeitig die Türen aufrissen und den Fahrer mit vorgehaltener Pistole zwangen, hinten auf das Fahrzeug zu steigen. Dann fuhren wir mit allen drei Fahrzeugen in die Seitenstraße zurück und alle Leute und alles Gerät wurden in das Servicefahrzeug umgeladen.

Das ganze hatte nur einige Sekunden gedauert, aber wir haben noch eine halbe Stunde damit zugebracht, den Telefonbediensteten, den wir entführt hatten, auszufragen. Ohne daß wir besonders in ihn dringen mußten, beantwortete er viele Fragen, die wir noch wegen der Lage und der Anordnung der Vermittlungsanlagen im Fernmeldeamt und über das Wachpersonal und die Sicherheitsmaßnahmen hatten.

Wir waren angenehm davon Überrascht, daß während der Nacht nur ein bewaffneter Wachmann im Gebäude ist, und daß er im Notfall auf Verstärkung durch einen fünf Häuserblocks entfernten Polizeiposten angewiesen sein würde, zu dem er eine direkte Telefonverbindung hat. Wir erleichterten den Servicemann von seiner Uniform und seiner magnetisch kodierten Firmenplakette, welche dazu gebraucht wird um während der Nacht den Hintereingang für Angestellte zu öffnen. Dann legten wir ihm sichere Fesseln aus Draht und eine Mundsperre an und fuhren den Servicewagen zum Hinterausgang des Fernmeldeamtes zurück.

Ich trug die Uniform. Indem ich den Hinweisen des Postbediensteten folgte verschaffte ich mir Zugang in das Gebäude, während die anderen versteckt im Servicewagen verblieben. Danach war es nur eine Momentsache, um den überraschten Wachmann seiner Pistole zu entledigen und unseren Leuten ein Zeichen zum hereinkommen zu geben. Während unsere vier Gruppen sich im Gebäude verteilten, entdeckte ich im richtigen Augenblick ein Hausmeisterklosett, und gebrauchte des Wachmanns eigenen Hauptschlüssel um ihn einzusperren.

Von diesem Zeitpunkt an dauerte die Aktion weniger als fünf Minuten. Die drei Gruppen die den Vermittleranlagen zugeteilt waren, arbeiteten schnell und planvoll. Während der mit dem Schrotgewehr eingeteilte Mann der jeweiligen Gruppe die in den Büros angetroffenen Angestellten zusammentrieb und bewachte, machten sich die anderen Männer an der Anlage zu schaffen.

In jedem Stockwerk wurde die Zündschnur abgewickelt und durch zwei oder drei lange Reihen elektronischer Schalttafeln hindurchgezogen. Dann nahm der mit den Demolierungen beauftragte Mann einen 20-Liter-Kanister mit Napalm und goß ihn über große Teile der Anlagen aus, ob mit oder ohne Zündschnur versehen. Zum Schluß wurde ein Zeitzünder an ein Ende der Zündschnur geklebt.

Als unsere Männer die Treppe heruntergesaust kamen um sich mit mir im Parterre zu treffen, erschütterten drei ohrenbetäubende Explosionen das fensterlose Gebäude. Einen Moment später kam unsere vierte Gruppe die Treppen aus dem Keller heraufgerannt.

Wir verloren keine Zeit um uns wieder in unseren Wagen zu zwängen. Als wir gerade aus dem Parkgelände herausfuhren ging im Transformatorenraum im Keller donnernd die Ladung hoch, wodurch sich ein riesiger Teil der Ziegelfassade auf einer Seite des Gebäudes spaltete und auf die Straße stürzte, und das Innere sichtbar wurde das schon durch das glühende Napalm und die brennenden Zündmaterialien von Flammen und Rauch erfüllt war.

Die Berichte in der Nachmittagsausgabe der Lokalzeitung deuteten darauf hin daß die ungefähr zwei Dutzend Angestellten, die sich im Gebäude befanden, es geschafft hatten heil hinauszukommen, außer dem Wachmann den ich ins Klosett gesperrt hatte, der an Rauchvergiftung starb. Deswegen habe ich ein schlechtes Gewissen, aber es ging nicht anders, denn wir waren in großer Eile.

Obwohl die durch uns erfolgte Zerstörung der Anlagen im Fernmeldeamt ziemlich gründlich ist, gab die Telefongesellschaft bekannt daß sie damit rechnet, die wichtigsten Telefonverbindungen innerhalb von 48 Stunden wieder herstellen zu können und eine komplette Wiederaufnahme des Telefondienstes der Stadt innerhalb von zwei Wochen zu erreichen.

Diese Bekanntgabe überraschte uns nicht. Wir wußten daß die Telefongesellschaft in der Lage ist, neue Anlagen und Mannschaften von Instandsetzungsspezialisten einzufliegen um die Zerstörung, die wir verursachten, schnell wieder in Ordnung zu bringen. Unser Anschlag auf das Fernmeldeamt als ein Schlag gegen das System hätte nur dann einen richtigen Sinn gehabt, wenn wir ihn mit einem an mehreren Fronten stattfindenden Großangriff hätten verbinden können.

Natürlich ist das den Leuten des Systems durchaus bekannt, aber sie konnten ja wirklich nicht wissen daß es sich bei dem gestrigen Einsatz um eine Ausbildungsübung handelte und haben mit dem Schlimmsten gerechnet. Es sind Panzer auf fast jeder Kreuzung in der Stadtmitte aufgefahren, und Soldaten und Polizei haben so viele Fahrzeugkontrollpunkte auf allen Hauptstraßen und Autobahnen eingerichtet daß der Autoverkehr in der ganzen Stadt so gut wie zum Erliegen gekommen ist. Wenn das nicht gewesen wäre, würde ich heute Abend und nicht erst morgen nach Denver abgefahren sein.

8. Juni: Habe heute ein paar Zeilen von Katherine erhalten! Sie waren einer Schachtel mit Gerät beigelegt, um das ich die Organisation gebeten hatte es mir aus unserem Laden zu schicken. Ich entdeckte den Brief erst als ich die Schachtel ausgepackt hatte, so daß ich nicht die Möglichkeit hatte dem Kurier, der die Lieferung brachte, eine Antwort mitzugeben.

Sie berichtete daß sie und alle anderen 70 bis 80 Stunden pro Woche im Laden gearbeitet hatten, hauptsächlich um Geldscheine, aber auch eine große Menge Flugzettel zu drucken. Da diese mit großer Dringlichkeit angefordert wurden, vermutet sie daß eine neue Großkampagne für den Raum Washington bevorsteht. (Sie wird sicherlich früh genug erfahren was im Gange ist!)

Sie denkt daß ich immer noch in Dallas bin und schreibt, sie hoffe bald noch eine Geldlieferung nach Dallas machen zu müssen um sich mit mir treffen zu können. Mein Herz tut mir weh vor Sehnsucht wieder mit ihr zusammen zu sein, auch wenn es nur für ein paar Stunden wäre!

Doch wird es für mich kaum eine Gelegenheit geben, vor Ablauf von mindestens drei Wochen wieder nach Washington zu kommen. Die Dinge haben sich hier im Gebiet der Rocky Mountains wirklich groß entwickelt. Die Organisation ist hier nicht besonders stark, aber trotzdem hat das Revolutionskommando für das hiesige Gebiet 43 höchst vordringliche Ziele ausersehen. Mehr als die Hälfte davon sind militärische Einrichtungen, auf die wir uns so vorbereiten müssen daß sie alle gleichzeitig angegriffen werden können wenn der Befehl dazu kommt, wahrscheinlich in den ersten Julitagen.

Darüber hinaus gibt es hier praktisch niemanden, der Erfahrung mit Spezial-Feldzeug hat, und so muß ich jeden von Anfang an ausbilden, 26 Schüler insgesamt. Die werden für die Vorbereitung und die Anwendung aller Brandsätze und Sprengkörper an den uns zugewiesenen Zielen in unserem Gebiet verantwortlich sein. Glücklicherweise haben wir hier einige militärisch ausgebildete Leute mit einer ausgezeichneten Kenntnis der Partisanentaktik. So brauche ich mich nur auf die technische Ausbildung zu beschränken und überlasse die taktischen Angelegenheiten den militärischen Leuten.

Trotzdem mein Betätigungsfeld hier kleiner ist geht alles viel langsamer vor sich als in Dallas, weil die Objekte weit verteilt sind. Es wurde als nicht ratsam erachtet, Lehrgänge mit 26 Leuten auf einmal abzuhalten, daher treffe ich mich hier in Denver nur mit sechs. Elf sind es in Boulder, einem College-Städtchen etwa 20 Meilen nördlich von hier, und neun in einem Farmhaus gleich südlich von hier. Mit jeder Gruppe treffe ich mich alle drei Tage, aber sie bekommen von mir sehr viel Hausaufgaben für die Zwischenzeiten.

Bis jetzt haben wir im Gebiet der Rocky Mountains so gut wie gar keine gewaltsamen Aktionen gegen das System durchgeführt und die allgemeine Atmosphäre ist hier noch sehr viel entspannter als entlang der Ostküste. Doch ist letzte Woche etwas sehr unangenehmes passiert, das sich als eine grauenvolle Mahnung dafür erwies daß der Kampf hier genau so gewalttätig und brutal geführt werden wird wie überall sonst.

Einer unserer Mitglieder, ein Bauarbeiter, wurde geschnappt als er versuchte, ein paar Dynamitstäbe vom Bauplatz, auf dem er beschäftigt war, zu schmuggeln. Offenbar hatte er über längere Zeit täglich etwa ein Dutzend davon in seinem Pausenbrotköfferchen hinausgebracht.

Die Platzwache hatte ihn dem örtlichen Sheriff übergeben, der sofort das Haus des Mannes durchsuchte und dabei nicht nur ein großes Lager mit Dynamit, sondern auch einige Pistolen entdeckte, und außerdem einige Werbeschriften der Organisation. Dem Sheriff wurde sofort klar daß er auf etwas gestoßen war, daß seiner Karriere wirklich Auftrieb geben könnte. Das System würde ihm sehr dankbar sein, wenn er die Organisation im Rocky-Mountain-Gebiet knacken könnte. Er würde eine gute Chance haben, einen Sitz in der Landeslegislative zu erringen, vielleicht sogar zum Vizegouverneur oder auf einen anderen hohen Posten in der Landesregierung erhoben zu werden.

So fingen der Sheriff und seine Gehilfen an unseren Mann zu prügeln um zu versuchen aus ihm die Namen anderer Mitglieder der Organisation herauszubekommen. Sie nahmen ihn brutal in die Mache, aber er sagte nichts aus. Dann brachten sie die Frau des Mannes herbei, und fingen an sie in seiner Gegenwart ins Gesicht zu schlagen und sie mit Fußtritten zu bearbeiten.

Das Ergebnis davon war daß unser Mann aus lauter Verzweiflung dem einen Hilfssheriff den Revolver aus dem Halfter riß. Ein anderen Hilfssheriff erschoß ihn bevor er selbst abdrücken konnte. Die Frau wurde dem FBI übergeben und nach Washington zum Verhör geflogen. Sie bekamen zwar aus ihr keine bedeutsame Information heraus, aber mich schaudert bei dem Gedanken welcher Tortur sie sich unterwerfen mußte.

Aber des Sheriffs Herrlichkeit war nur von kurzer Dauer. An dem Abend, als unser Mann getötet wurde, war der Sheriff noch in einer Nachrichtensendung des Fernsehens aufgetreten und hatte damit geprahlt, er habe einen Schlag im Namen von Gesetz, Ordnung und Gleichheit geführt und warnte großspurig jeden "Rassisten", er werde ihn mit der gleichen Rücksichtslosigkeit behandeln wenn er ihm in die Hände fallen sollte.

Doch als er an diesem Abend nach seinem Fernsehinterview nach Hause kam, fand er seine Frau mit durchschnittener Kehle auf dem Wohnzimmerboden liegend vor. Zwei Tage später wurde sein Streifenwagen aus dem Hinterhalt überfallen. Sein von Kugeln durchlöcherter Leichnam wurde in den ausgebrannten Trümmern gefunden.

Es ist eine schreckliche Angelegenheit, wenn man Frauen seiner eigenen Rasse zu töten hat; wir sind aber in einen Krieg verwickelt, in dem alle althergebrachten Regeln nicht mehr gelten. Wir befinden uns in einem auf Leben und Tod geführten Krieg mit dem Juden, der sich jetzt seinem endgültigen Siege so nahe wähnt daß er ohne Gefahr seine Maske fallen lassen und seine Feinde wie "Vieh" behandeln kann, so wie es ihn seine Religion lehrt. Unsere Vergeltungsaktion gegen den hiesigen Sheriff soll eine Warnung an die nichtjüdischen Handlanger des Juden sein, zumindest können sie nun nicht erwarten daß ihre eigenen Familien sicher sind, wenn sie des Juden Einstellung zu unseren Frauen und Kindern übernehmen. (Hinweis für den Leser: Mehrere Bücher, welche die religiöse jüdische Doktrin beinhalten, die "Judaismus" genannt wird, sind heute noch vorhanden. Diese Bücher, der Talmud und die Torah, sprechen in der Tat von Nichtjuden als "Vieh." Besonders schrecklich ist für uns die Einstellung der Juden zu nichtjüdischen Frauen. Das Wort das sie gebrauchten um ein Mädchen unserer Rasse zu bezeichnen war "Shikse," was von einem hebräischen Wort abstammt das "Abscheulichkeit" und "nicht-koscheres Fleisch", oder auch "unreines Fleisch", bedeutet.

21. Juni: Heute abend wurde ich an einer Polizeistraßensperre angehalten, als ich von Boulder zurückfuhr. Es war überhaupt kein Problem da durchzukommen; sie überprüften nur meinen Führerschein (d.h. den des toten und nicht zu beweinenden David S. Bloom), fragten, wohin ich fahre und warfen einen schnellen Blick ins Auto. Aber die Straßensperre verursachte einen meilenlangen Stau und mancher Autofahrer schäumte wirklich vor Wut. Einer sagte mir daß es das erste Mal gewesen wäre daß es Straßensperren in dieser Gegend gegeben hätte.

Die Straßensperre, und einige Andeutungen die mir in den letzten Tagen in den Nachrichten auffielen, lassen mich vermuten daß das System in nächster Zeit mit großen Ereignissen rechnet. Ich hoffe daß sie hier die Sicherheitsmaßnahmen nicht so verschärfen wie an der Ostküste; es würde unsere Pläne ganz schön durcheinander bringen.

Andererseits wird es den Tölpeln in dieser Gegend sehr gut tun wenn sie eine große Dosis liebevoller Fürsorge vom Großen Bruder bekommen. Die meisten von ihnen sehen so gut wie nie einen Schwarzen oder einen Juden und tun so als ob es überhaupt keinen Krieg gäbe. Sie scheinen zu glauben daß sie von den Dingen, unter denen andere Landesteile leiden, weit genug entfernt sind und sie hier im gleichen alten Trott weitermachen können. Sie nehmen jede Bemerkung übel die sie veranlassen könnte, die Jagd nach Vergnügen und Überfluß so lange anzuhalten, bis der Krebs aus Amerika herausgeschnitten ist der uns sicherlich alle vernichten wird, wenn er nicht bald eliminiert wird. Aber das war schon immer so mit dieser simplen Art von Amerikanern.

Ich bin ziemlich beunruhigt daß ich über Evanston nichts Neues erfahren habe. Ich erwarte das dortige Unternehmen schon täglich seit der letzten Woche vorigen Monats. Hat es da noch mehr Schwierigkeiten mit Harrison gegeben? Oder hat sich das Revolutionskommando dazu entschlossen den Überfall bis zu unserer großen Offensive im nächsten Monat aufzuschieben?

Für einen solchen Aufschub hatte es bei meiner letzten Einsatzbesprechung keine Hinweise gegeben. Wahrscheinlich macht Harrison Schwierigkeiten -- hol' ihn der Teufel! Ich habe die wahrscheinliche Zielgenauigkeit bei der Entfernung, die mir von unserer Chicagoer Granatwerfermannschaft kurz vor meiner Abfahrt von Washington nach Dallas angegeben wurde, noch einmal nachgerechnet und darauf beschlossen, die radioaktive Masse auf fünf Geschosse statt nur auf drei zu verteilen. Das ergibt für uns die fast 90%ige Wahrscheinlichkeit, daß wir eine oder sogar mehrere Treffer innerhalb des Elektrizitätswerkes landen können. Oder sollte sich Harrison gegen die Handhabung von soviel Feldzeug gesträubt haben?. Wenn das er Fall ist, warum hat mir das niemand gesagt?

Ich mache mir auch zunehmend Sorgen darüber daß ich keine Anweisungen erhalten habe, was ich tun soll, wenn ich meine Arbeit hier nächste Woche beende. Wenn es mir dann nicht gelingt, nach Washington zurückzukehren, befürchte ich daß daraus nichts mehr wird bevor die große Offensive beginnt. Ich möchte dort gern wieder mit Katherine und den anderen beisammen sein, bevor im nächsten Monat der Sturm losbricht. Ich sehe auch gar keinen Grund der dagegen spricht, weil kaum noch Zeit sein wird mich zu einem weiteren Ausbildungskurs für Spezial-Feldzeug woanders hinzuschicken.



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