Die Turner-Tagebücher

Kapitel 14


24. März 1993: Heute wurde ich wegen Eidbruches vor das Organisationsgericht gestellt, die schwerwiegendste Anklage die gegen ein Mitglied der Organisation erhoben werden kann. Es war ein entsetzliches Erlebnis, und ich bin ungeheuer erleichtert daß ich es hinter mir habe, wie es auch ausging.

Während all der Monate in meiner Gefängniszelle habe ich mir den Kopf mit der Frage zermartert: Habe ich den Eid gegenüber dem Orden dadurch gebrochen weil ich versagt hatte mich zu töten bevor ich gefangen genommen wurde? Ich habe wohl hundertmal die Umstände in meinem Kopf Revue passieren lassen die zu meiner Gefangennahme und den späteren Ereignissen geführt haben, und mich selbst davon zu überzeugen versucht daß mein Verhalten richtig war, und daß es nicht mein Fehler war, in die Hände meiner Häscher zu fallen. Heute habe ich über den ganzen Ablauf der Ereignisse vor den Geschworenen des Organisationsgerichts ausgesagt.

Die Vorladung kam heute morgen über die Rufanlage, und ich wußte sofort um was es sich handelte, obgleich ich über die Adresse, bei der ich mich melden sollte, überrascht war, nämlich in einem der neuesten und größten Bürogebäude im Zentrum von Washington. Als mich eine attraktive Empfangsdame in ein Konferenzzimmer einer großen Zimmerflucht von Rechtsanwälten führte, wechselte mein ungutes Gefühl zu Dankbarkeit für die drei Tage Erholungspause, die mir zugestanden wurden seit ich aus dem Gefängnis ausgebrochen war.

Ich schlüpfte gerade in eine Robe, welche für mich auf einer Kleiderablage bereitgelegt worden war, als sich eine andere Tür öffnete. Acht andere Gestalten in Roben und Kapuzen traten in das Zimmer, und nahmen fast lautlos ihre Plätze ein an einem großen Tisch. Der letzte der Acht hatte seine Kapuze zurückgeschoben, wobei ich die bekannten Züge von Major Williams erkannte.

Die Verfahrensweise war flott und fand in einer förmlich-objektiven Atmosphäre statt. Nach etwas über einer Stunde Verhör wurde mir gesagt daß ich in einem kleineren angrenzenden Raum warten solle. Ich wartete dort fast drei Stunden.

Als die anderen endlich meinen Fall zu Ende diskutiert hatten und zu einer Entscheidung gekommen waren, wurde ich zurück in den Konferenzraum gerufen. Während ich an einem Ende des Tisches stand, saß Major Williams am anderen Ende und verkündete das Urteil. Soweit ich mich erinnern kann, hatten seine Worte folgenden Inhalt:

"Earl Turner, wir haben ihre Leistungen als Mitglied dieses Ordens wegen zweier Vorfälle überprüft und haben befunden, daß Sie in beiden versagt haben.

"Erstens haben Sie vor der Polizeirazzia, bei der Sie gefaßt und eingesperrt wurden, einen bedauerlichen Mangel an Reife und gesundem Urteilsvermögen bewiesen. Ihre Unbedachtsamkeit beim Besuch des Mädchens in Georgetown -- eine Handlung welche, obgleich nicht ausdrücklich untersagt, nicht im Bereich der Ihnen zugewiesenen Aufgaben lag -- hat direkt zu der Situation geführt, bei welcher Sie sich und die Mitglieder Ihrer Einheit in Gefahr gebracht haben, und bei der eine wertvolle Einrichtung der Organisation verloren ging.

"Wegen des Versagens Ihres Urteilsvermögens ist Ihre Probezeit als Mitglied des Ordens um sechs Monate verlängert worden. Deswegen werden Sie nicht vor März nächsten Jahres als frühestem Zeitpunkt zum "Union-Ritus" zugelassen.

"Wir erkennen jedoch an, daß Ihr Verhalten vor der Polizeirazzia keinen Verstoß gegen Ihren Eid bildete."

Nach diesen Worten gab ich einen hörbaren Seufzer der Erleichterung von mir. Aber Major Williams fuhr mit einem strengeren Ton in seiner Stimme fort:

"Die Tatsache, daß Sie lebend der politischen Polizei in die Hände fielen und während des fast einmonatigen Verhörs am Leben blieben, ist eine weit ernstere Angelegenheit.

"Dadurch daß Sie Ihren Eid geschworen haben, haben Sie Ihr Leben dem Dienst im Orden geweiht. Sie haben damit den Dienst im Orden über alles andere gestellt, einschließlich des Erhalts Ihres Lebens. Sie haben diese Verpflichtung freiwillig auf sich genommen, mit dem Wissen daß während der Dauer unseres Kampfes die Möglichkeit beträchtlich ist, daß Sie sogar Ihr Leben opfern müssen um den Bruch des Eides zu vermeiden.

"Sie wurden ausdrücklich davor gewarnt, jemals lebend in die Hände der politischen Polizei zu fallen, und Ihnen wurden um das zu verhindern die Mittel dazu zur Verfügung gestellt. Doch Sie sind in ihre Hände gefallen und dabei am Leben geblieben. Die Informationen, die aus Ihnen herausgeholt wurden, wirkten für die Arbeit der Organisation in diesem Gebiet als ernstliche Hemmung und Sie haben viele Ihrer Kameraden in sehr große Gefahr gebracht.

"Wir erkennen natürlich an daß Sie mit Ihrer Entscheidung nicht vorsätzlich den Eid gebrochen haben. Wir haben uns sorgfältigst mit den Umständen die zu Ihrer Gefangennahme geführt haben beschäftigt, und wir kennen auch genau die Verhörtechniken welche die politische Polizei jetzt gegenüber unseren Leuten anwendet. Wenn Sie nur ein Soldat in irgendeiner anderen Armee auf der Erde wären, wären Sie frei von Schuld.

"Aber dieser Orden ist etwas anderes als jede andere Armee. Wir haben für uns das Recht in Anspruch genommen über das Schicksal aller unserer Leute zu bestimmen und eines Tages die Welt nach unseren Grundsätzen zu regieren. Wenn wir uns dieses Rechtes würdig erweisen wollen, müssen wir auch willens sein, die Verantwortung zu übernehmen die damit verbunden ist.

"Jeden Tag treffen wir Entscheidungen und führen Aktionen aus, welche zum Tod von Weißen führen, wobei viele von ihnen sich keiner Vergehen schuldig gemacht haben die wir als strafbar ansehen. Willens nehmen wir diesen unschuldigen Menschen das Leben, weil letzten Endes für alle viel größerer Schaden entstünde wenn wir jetzt nicht handelten. Unser höchster Gesichtspunkt ist letztlich das Wohl unserer Rasse. Wir dürfen uns selbst gegenüber keine geringeren Maßstäbe anwenden als in Bezug auf andere.

"Ja, wir müssen mit uns selbst noch viel strenger sein. Wir müssen bei uns ein viel höheres Verhaltensniveau einhalten als wir von der Allgemeinheit oder sogar von den einfachen Mitgliedern der Organisation fordern. Im Einzelnen dürfen wir uns niemals von jener Idee leiten lassen welche in unserer kranken Zeit geboren wurde, nämlich, eine gute Entschuldigung für eine schlechte Bewältigung einer Aufgabe sei ein zufriedenstellender Ersatz für mangelnde Leistung.

"Für uns kann es keine Entschuldigungen geben. Entweder wir machen unsere Aufgaben oder wir tun dies nicht. Wenn wir sie nicht getan haben entschuldigen wir uns nicht, sondern übernehmen einfach die Verantwortung für unser Versagen. Steht darauf eine Strafe, so nehmen wir auch diese ohne zu klagen an. Die Strafe für Eidbruch ist die Todesstrafe."

Im Zimmer war es mäuschenstill, aber in meinen Ohren summte es und der Boden schien unter meinen Füßen zu wanken. Ich stand ruhig und wie benommen da bis Williams wieder zu sprechen anfing, diesmal mit einer etwas sanfteren Stimme:

"Die Aufgabe dieses Tribunals ist klar, Earl Turner. Wir müssen in Ihrem Fall auf eine Art handeln, daß jedes Mitglied dieses Ordens, das sich irgendwann in der Zukunft in ähnlichen Umständen befindet wie den Ihren während der Polizeirazzia auf Ihr Hauptquartier, weiß, daß der Tod unvermeidbar ist wenn man eine Gefangennahme nicht verhindern kann; entweder der ehrenvolle Tod durch eigene Hand oder später ein weniger ehrenvoller durch die der eigenen Kameraden. Es darf für keinen eine Versuchung bestehen sich seiner Aufgabe zu entziehen, in der Hoffnung daß er durch eine spätere Entschuldigung sein Leben erhalten könnte.

"Einige von uns hier haben heute die Ansicht vertreten daß nur in diesem Sinne unsere Entscheidung über Ihr Schicksal fallen muß, um für die Zukunft anderen ein warnendes Beispiel zu sein. Andere haben dagegen die Ansicht vertreten, Sie hätten zur fraglichen Zeit noch nicht die Vollmitgliedschaft in diesem Orden gehabt, weil Sie noch nicht am Ritus der Union teilgenommen hatten, und daß deshalb Ihr Verhalten ganz gut mit anderen Maßstäben gemessen werden könnte als bei jemanden, der schon seine Probezeit hinter sich hat und den Union-Status erlangt hat.

"Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen, aber nun müssen Sie sie anhören und ihr Folge leisten. Zunächst müssen Sie die verlängerte Probezeit zufriedenstellend abschließen. Erst einige Zeit später können Sie zum "Rite of Union" zugelassen werden, aber mit einer grundlegenden Bedingung die wir niemals zuvor jemandem zugestanden haben. Die Bedingung ist, daß Sie eine Mission durchführen müssen deren erfolgreicher Abschluß höchstwahrscheinlich mit Ihrem Tod enden wird.

"Leider stehen wir nur allzu oft der schmerzlichen Aufgabe gegenüber, solche Selbstmordkommandos unseren Mitgliedern zuzuweisen, wenn wir nicht in der Lage sind ein notwendiges Ziel anders zu erreichen. In Ihrem Fall wird die Mission zwei Dingen dienen.

"Wenn Sie sie erfolgreich beenden ist durch Ihre mit dem Tod besiegelte Tat die Bedingung für den Unions-Ritus erfüllt. Dann werden Sie im Geist in uns und unseren Nachfolgern weiterleben, solange der Orden besteht, geradeso wie jedes andere Mitglied welches die Union erlangt hat und dann sein Leben verliert. Und wenn Sie durch einen glücklichen Umstand Ihre Mission überleben sollten, werden Sie Ihren Platz in unseren Reihen einnehmen ohne einen Schandfleck in Ihrer persönlichen Führung. Haben Sie alles verstanden, was ich gesagt habe?"

Ich nickte und antwortete: "Ja ich habe alles verstanden und nehme Ihr Urteil ohne Vorbehalt an. Es ist gerecht und sachlich. Ich habe niemals erwartet daß ich den Kampf, in den wir jetzt verwickelt sind, überleben würde, und ich bin dankbar daß es mir gegönnt ist einen weiteren wichtigen Beitrag zu leisten. Ich bin auch dankbar daß die Aussicht auf die Union mir noch verbleibt."

25. März: Heute ist Henry zu uns herübergekommen und er, Bill und ich haben eine lange Unterhaltung geführt. Henry begibt sich morgen zur Westküste und bevor er weggeht, wollte er Bill dabei helfen, mich über die Entwicklungen des vergangenen Jahres ins Bild zu setzen. Offenbar wird er sich mit der Ausbildung neuer Mitgliedern befassen und einige andere interne Aufgaben im Gebiet von Los Angeles übernehmen, wo wir besonders stark sind. Als er mich grüßte machte er das Zeichen, und damit wußte ich daß auch er ein Mitglied des Ordens geworden ist.

Das, was ich heute erfuhr, hatte ich im wesentlichen schon in meiner Gefängniszelle erschlossen: Die Organisation hat ihre Hauptstoßkraft vom Angriff auf Personen auf strategische, wirtschaftliche Ziele verlagert. Wir werden nicht mehr versuchen das System direkt zu zerstören, sondern uns darauf konzentrieren, ihm die Unterstützung durch die Bürger zu entziehen.

Ich hatte schon lange das Gefühl daß ein solcher Wechsel nötig ist. Offenbar haben zwei Dinge die Führer der Revolution dazu gezwungen, zum gleichen Schluß zu kommen: Einmal die Tatsache, daß wir nicht genug neue Mitglieder rekrutieren konnten um die Verluste in unserem Zermürbungskrieg gegen das System auszugleichen, und zum zweiten die Erfahrung, daß weder unsere Anschläge auf das System, noch des Systems steigende Unterdrückungsmaßnahmen einen wirklich entscheidenden Effekt in der Haltung der Öffentlichkeit gegenüber dem System bewirken konnten.

Der erste Faktor war zwingend. Auch wenn wir wollten, konnten wir einfach nicht das Ausmaß unserer Aktivitäten gegen das System aufrechterhalten, weil unsere Ausfälle sich stetig erhöhten. Henry schätzte, daß die Gesamtzahl unserer Fronttruppen im ganzen Land -- jene die darin ausgebildet waren, Stichwaffen Pistolen oder Bomben anzuwenden -- im vergangenen Sommer auf einen sehr niedrigen Stand von etwa 400 Personen gefallen ist. Diese Fronttruppen machen nur etwa ein viertel der Mitglieder der Organisation aus und haben unverhältnismäßig große Verluste gehabt.

Das hat die Organisation gezwungen den Krieg vorübergehend einzuschränken, währenddessen aber einen ausreichend starken Kern für einen späteren Vorstoß anderer Art zu bewahren, denn unsere ganze bisherige Strategie gegen das System ist fehlgeschlagen.

Sie scheiterte deswegen, weil die Mehrheit der weißen Amerikaner nicht so auf die Lage reagiert hat, wie wir gehofft hatten. d.h. wir hatten mit einer positiven, nachahmenden Reaktion auf unsere "Propaganda der Tat" gerechnet, welche aber ausblieb.

Wir hatten gehofft, wenn wir ein Beispiel gäben durch Auflehnung gegen die Tyrannei, würden andere auch mit dem Widerstand beginnen. Wir hatten gehofft, durch Anschläge auf hochstehende Persönlichkeiten und wichtige Einrichtungen des Systems überall Amerikaner zu ähnlichen Aktionen inspirieren zu können. Aber zum größten Teil haben die Mistkerle ihren Hintern nicht hochgekriegt.

Natürlich sind so etwa zwölf Synagogen angezündet worden, und die politisch motivierten Gewalttätigkeiten haben sich im allgemeinen erhöht, aber meistens gingen die Aktionen in die falsche Richtung und waren fruchtlos. Ohne organisiert zu sein haben solche Aktivitäten wenig Wert, es sei denn, sie werden auf sehr breiter Basis geführt und können auf lange Zeit aufrechterhalten werden.

Zwar hat auch die Reaktion des Systems gegenüber der Organisation viele Leute verärgert und zu viel Murren geführt, aber es kam auch nicht annähernd soweit um eine Rebellion hervor zu rufen. Wir haben erfahren daß Tyrannei bei den Amerikanern gar nicht so unpopulär ist.

Was dem Durchschnittsamerikaner lieb und wert ist, ist nicht seine Freiheit, seine Ehre oder die Zukunft seiner Rasse, sondern sein Gehaltsscheck. Er hat sich zwar darüber aufgeregt, als man vor 20 Jahren damit anfing, seine Kinder zwecks Integration per Bus in die Schulen für Schwarze zu befördern, aber da man ihm erlaubte, seinen Kombiwagen und sein Schnellboot aus Glasfaser zu behalten, kämpfte er dagegen nicht an.

Er hat sich darüber beschwert, als man ihm vor fünf Jahren seine Waffen wegnahm, aber er hatte ja noch seinen Farbfernseher und den Grill im Hinterhof, also kämpfte er nicht.

Heutzutage regt er sich auf wenn die Schwarzen seine Frauen nach Belieben notzüchtigen, und das System von ihm verlangt daß er eine Kennkarte vorzeigt wenn er Lebensmittel einkauft oder seine Wäsche abholt, doch hat er immer noch seinen vollen Bauch, also kämpft er nicht.

Er hat nicht einen einzigen eigenen Gedanken im Kopf, nur die welche ihm durch den Fernseher eingetrichtert worden sind. Er möchte um alles in der Welt die "richtige Einstellung" haben und möchte ganz genau das tun, denken und sagen, wie er glaubt daß man es von ihm erwartet. Kurz gesagt, er wurde zu dem, was das System in den letzten fünfzig Jahren aus ihm zu machen bemüht war: zu einem Massenmenschen; einem Angehörigen des riesigen gehirngewaschenen Proletariats; einem Herdentier; einem wahren Demokraten.

So ist er leider, unser weißer Durchschnittsamerikaner. Wir wünschten, es wäre nicht so, doch so ist es. Die ungeschminkte schreckliche Wahrheit ist, daß wir versucht haben ein heldenmütigen, idealistischen Geist wieder zu entfachen, welcher aber ganz einfach nicht mehr existiert. Eine Denkweise dieser Art wurde ja bei 99% unserer Menschen durch die Flut jüdisch-materialistischer Propaganda, mit der sie praktisch ihr ganzes Leben berieselt wurden, gründlich ausgelaugt.

Bei den restlichen 1% gibt es verschiedene Gründe, warum sie für uns keine Hilfe sind. Natürlich sind einige von ihnen zu primitiv um im Rahmen der Organisation oder irgendeiner anderen organisierten Gruppe mitzuarbeiten; die können nur "ihre eigenen Brötchen backen", was auch einige in der Tat machen. Die anderen mögen noch verschiedene eigene Ideen haben, oder sie konnten einfach keinen Kontakt zu uns herstellen, da wir gezwungenermaßen in den Untergrund gehen mußten. Sicherlich könnten wir die meisten davon irgendwann rekrutieren aber dazu haben wir keine Zeit mehr.

Womit die Organisation vor ca. 6 Monaten anfing, war mit den Amerikanern zum ersten Mal realistisch umzugehen, nämlich wie mit einer Kuhherde. Nachdem sie nicht mehr in der Lage sind auf idealistische Aufrufe zu reagieren, haben wir angefangen sie auf Dinge anzusprechen die sie verstehen, und das ist Angst und Hunger.

Wir werden Ihnen das Essen vom Tisch nehmen und ihre Kühlschränke leeren. Damit werden wir dem System die Haupthandhabe, mit der sie die Leute "bei der Fahne halten", entziehen. Und wenn sie anfangen zu hungern werden wir ihnen solche Angst einjagen daß sie uns mehr fürchten als das System. Wir werden sie genau in der Art behandeln wie sie es verdient haben.

Ich weiß nicht warum wir uns vor dieser Einstellung so lange gescheut haben. Wir haben die Beispiele von jahrzehntelangem Partisanenkrieg in Afrika, Asien und Lateinamerika gehabt, um daraus zu lernen. In allen Fällen haben die Partisanen dadurch gesiegt, daß sie den Menschen Angst einjagten, anstatt sich beliebt zu machen. Indem man öffentlich Dorfälteste zu Tode folterte und ganze Dorfbevölkerungen massakrierte, weil sie sich weigerten Verpflegungsvorräte herauszurücken, hat man solchen Schrecken in benachbarten Dörfern geweckt daß aus lauter Angst niemand mehr gewagt hat, Forderungen abzulehnen.

Wir Amerikaner haben das alles beobachtet, aber versagten weil wir diese Lehren nicht bei uns selbst angewendet haben. Wir betrachteten -- richtigerweise -- all die Nichtweißen als bloße Herdentiere, und es hat uns auch nicht überrascht daß sie sich so benahmen wie sie eben sind. Aber wir betrachteten uns selbst -- fälschlicherweise -- als etwas besseres.

Es gab eine Zeit in der wir tatsächlich besser waren, und um dafür zu sorgen daß solche Zeiten wiederkommen, dafür kämpfen wir. Im Moment aber sind unsere Landsleute eine bloße Herde welche durch eine Bande von raffinierten Fremden, die uns auf unsere primitivsten Instinkte anspricht, manipuliert wird. Wir sind so sehr gesunken daß wir unsere Unterdrücker nicht mehr hassen oder bekämpfen; wir haben nur noch Angst vor ihnen und versuchen uns bei ihnen lieb Kind zu machen.

So ist das. Wir werden folgenschwer darunter leiden daß wir uns unter das jüdische Joch begeben haben.

Unsere Organisation hat damit aufgehört unsere Kräfte durch Terrorangriffe in kleinem Maßstab zu verschwenden, und sich darauf verlegt großangelegte Anschläge auf sorgfältig ausgewählte wirtschaftliche Ziele zu machen, wie Kraftwerke, Treibstoffdepots, Verkehrseinrichtungen, Nahrungsmittelvertriebe und Fabriken von Schlüsselindustrien. Wir erwarten nicht daß wir die sowieso schon in allen Fugen ächzende amerikanische Wirtschaft sofort zu Fall bringen, doch rechnen wir damit einige lokale und wenigstens zeitlich begrenzte Ausfälle zu verursachen, welche allmählich eine sich steigernde Gesamtwirkung auf die ganze Öffentlichkeit haben werden.

Schon wurde einem beträchtlichen Teil der Öffentlichkeit klargemacht daß man ihr nicht zugestehen wird, sich im Sessel zurückzulehnen und den Krieg in Sicherheit und Bequemlichkeit am Fernseher mitzuverfolgen. In Houston z.B. waren im September Hunderttausende für fast zwei Wochen ohne Elektrizität. Die Nahrungsmittel in ihren Kühlschränken und Gefriertruhen wurden schnell schlecht, ebenso auch die schnell verderblichen Waren in ihren Supermärkten. Es gab zweimal schwere Unruhen von hungrigen Houstonern wegen Mangels an Nahrungsmitteln, bevor die Armee in der Lage war für alle genügend Stellen zur Notversorgung einzurichten.

In einem Fall haben Bundestruppen von einer aufgebrachten Menge 26 Personen erschossen die versuchten ein Nahrungsmitteldepot der Regierung zu stürmen, außerdem hat die Organisation einen anderen Aufruhr hervorgerufen indem sie das Gerücht verbreitete, die Notrationen, die die Regierung verteilte, wären durch Bakterien vergiftet. Bis jetzt gibt es in Houston noch immer keinen normalen Tagesablauf, da der größte Teil der Stadt einer täglichen auf 6 Stundenschichten verteilten Stromsperre ausgesetzt ist.

In Wilmington haben wir die Hälfte der Leute zu Arbeitslosen gemacht, indem wir zwei große Fabriken von DuPont in die Luft jagten. Und wir haben das Licht in halb New England ausgeschaltet, indem wir das Kraftwerk in der Nähe von Providence außer Betrieb gesetzt haben.

Die Elektronikfabrik in Racine bei der wir zuschlugen war nicht sehr groß aber einziger Zulieferer von bestimmten Schlüsselkomponenten für andere Hersteller im ganzen Land. Da wir diese Fabrik anzündeten mußten nach und nach zwanzig andere schließen.

Die Auswirkungen dieser Aktionen sind bis jetzt noch nicht entscheidend, aber wenn wir so weitermachen werden sie es bald sein. Die Reaktion der Öffentlichkeit hat uns bereits davon überzeugt.

Diese Reaktion kann im großen und ganzen gewiß nicht als freundlich uns gegenüber betrachtet werden. In Houston hat eine aufgebrachte Menge zwei gefangene Verdächtige, die wegen einer der Bombenexplosionen verhört werden sollten, der Polizei entrissen und gelyncht. Glücklicherweise waren das keine von unseren Leuten, sondern einfach zwei unglückselige Burschen die sich zur falschen Zeit am falschen Ort aufgehalten hatten.

Und natürlich haben die Konservativen ihr Gegacker und Gekreische gegen uns verdoppelt, weil wir nach ihrer Meinung alle Chancen für eine Verbesserung der Zustände zunichte gemacht haben, dadurch, daß wir die Regierung mit unseren Gewaltanwendungen "provozierten." Was die Konservativen damit meinen, wenn sie von "Verbesserung" sprechen, ist die Stabilisierung der Wirtschaft und eine weitere Gesprächsrunde über Zugeständnisse für die Schwarzen, so daß jedermann zum gewohnten multirassischen Komfort zurückkehren kann.

Aber wir haben schon lange gelernt, nicht unsere Feinde zu zählen, sondern nur unsere Freunde, und deren Anzahl wird jetzt doch größer. Henry gab uns zu verstehen, daß sich unsere Mitgliederzahl seit letztem Sommer um fast 50% erhöht hat. Augenscheinlich hat unsere neue Strategie von den vielen Leuten, die bis jetzt nur zusahen, einige dazu bewogen sich uns anzuschließen, andere aber sich auf die Gegenseite zu begeben. Leute mit Gespür fangen an wahrzunehmen, daß sie auf die Dauer nicht in der Lage sein werden sich von diesem Krieg fernzuhalten. Wir zwingen sie dazu sich in die Frontlinien zu begeben, wo sie sich für eine Seite entscheiden und dort mitmachen müssen, ob ihnen das nun gefällt oder nicht.



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